Neue Funktionen von Magento im Detail
Das Open-Source-Shopsystem Magento bringt bereits viele Funktionen mit, die bei anderen Shopsystem erst umständlich hinzugefügt oder teuer gekauft werden müssen. Trotzdem gab es bei den Anwendern offene Wünsche. Einige wurden nun erfüllt.
CPO – Custom Product Options
Über die Problematik der konfigurierbaren Produkte wurde bereits mehrfach ausführlich diskutiert und Varien hat viel Input der deutschen Shopbetreiber in das neue System fließen lassen. Als Ergebnis präsentiert Magento nun eine neue Produktart: "gebündelte Produkte".
Der Name klingt etwas fern dessen, was es tatsächlich ist. In gebündelten Produkten kann man Optionen integrieren, die der Kunde beim Bestellvorgang individuell anpasst. So können ab sofort mit Magento Gravuren mit benutzerdefinierten Textzeilen oder ganze Glückwunschkarten mit eigenen Absätzen bestellt werden. Ebenso ist es möglich, eine einfache Dropdown-Auswahl für mehrere Optionen eines Produktes (wie zum Beispiel T-Shirt-Größen und -Farben) zu konfigurieren. Dabei liegt hier keine Mengebeschränkung vor, so dass man verschiedene Darstellungsformen (Dropdown, Radiobutton, Checkboxen, Textareas oder Textzeilen) kombinieren und Produkte individuell anpassen kann.
Aufschläge auf den Grundpreis sind dabei für jede Option einzeln bestimmbar - ob als Festpreisaufschlag oder prozentuale Steigerung. Die konfigurierten Optionen erscheinen später auch im Bestellvorgang im Warenkorb.
Das alles ist nun innerhalb eines einzelnen Produktes möglich, ohne dass wie bisher alle kombinierten Varianten als "einfache Produkte" vorliegen müssen.
Virtuelle Produkte
Immer ein schwieriges Thema in Shopsystemen sind virtuelle Produkte wie zum Beispiel Abonnements, Dienstleistungsverträge oder ähnliche "Produkte", die zwar verkauft, aber nicht verschickt werden sollten. In Magento findet sich seit Version 1.1.x nun ein eigens dafür geschaffener Produkttyp: das virtuelle Produkt. Es ist konfigurierbar wie jedes einfache Produkt auch, aber für den Versand werden keine Daten abgefragt und keine Kosten berechnet. Eine für kommende Versionen geplante Erweiterung dieses Produkttypes sind direkt downloadbare Produkte wie Lizenzen, Programme oder Dateien für Musikstücke.
Steuersystem für Kanada und Europa
Ein weiteres großes Manko der ersten Veröffentlichung von Magento: Man konnte es nicht ausreichend an das deutsche Steuersystem anpassen. So war die Warenkorbdarstellung mit Nettopreisen nach deutschen Recht nicht korrekt und musste von Hand angepasst werden.
In der aktuellen Version 1.1.2 ist das Steuersystem von Magento deutlich überarbeitet und besser angepasst, so dass neben der korrekten Preisanzeige nun auch "Terms and Conditions" ("AGB und Widerrufsbelehrung") in den Bestellvorgang integriert sind. Ein flexibles System von Kunden- und Produktsteuerklassen, Steuerzonen und anpassbaren Steuerregeln sorgt jetzt dafür, dass Magento mehr auf den globalen Markt ausgerichtet ist.
Webservices-API
Damit Dritthersteller und Entwickler den Datenbestand von Magento über externe Programme sinnvoll manipulieren können, gibt es nun eine mit Zugriffsregeln konfigurierbare Schnittstelle. Diese Webservices-API unterstützt die externe Verwaltung von Kunden, Bestellvorgängen und der Produkt- und Kategoriendatenbank. Somit lässt sich Magento noch leichter in ERP- und CRM-Systeme sowie ins After-Sales-Management integrieren und entwickelt sich damit zu einem praktischen Werkzeug für Systementwickler.
Von Version 1.1.1 zu Version 1.1.2
Wie es bei jeder Software der Fall ist, ist auch Magento nicht vor Fehlern gefeit, so dass es kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Major-Releases 1.1.1 bereits zum ersten Bugfix-Release 1.1.2 kam. Hierbei wurden Fehler in der API und der PDF-Verwaltung behoben und die Stabilität des Systems weiter verbessert. Man sieht daran, dass Varien mit viel Entwicklergeist und unermüdlichem Drang an der Qualitätssicherung von Magento arbeitet.
Schwachstelle Lokalisierungen
Einziger Wermutstropfen in dieser sonst sehr perfekt erscheinenden E-Commerce-Geschichte ist die fehlende deutsche Übersetzung. Der Autor dieses Artikels ist selbst an der Übersetzung von Magento ins Deutsche beteiligt. Jedoch wuchs die Software schneller als die Tools, so dass das von Varien gelieferte Übersetzungswerkzeug bis zum heutigen Tage nicht die Strings der Version 1.1.2 zur Bearbeitung anbietet. Hier müssen sich also die Community und die Shopbetreiber noch etwas in Geduld üben, bis man die Bugs beheben und die Übersetzung komplettieren kann.
Kleinere Hinweise am Rande
Für Entwickler steht im Wiki zu Magento ein Artikel bereit, der die notwendigen Umbaumaßnahmen für bereits programmierte Templates der Version 1.0 beschreibt. Dieser Weg ist bei diesem Upgrade leider nötig, da sich in der Funktionsverwaltung von Magento größere Änderungen eingeschlichen haben, die eine Anpassung nicht vermeiden ließen. Des weiteren empfiehlt es sich immer, zuerst eine Kopie eines Live-Systems auf die neue Version zu aktualisieren und dieses erst vollständig auf Probleme zu testen, bevor die Aktualisierung der Live-Systeme vorgenommen wird.
Über den Autor
Rico Neitzel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Einsatz und den Gestaltungsmöglichkeiten moderner Medien sowie E-Commerce-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen. Er schult und berät zudem Unternehmen und Ministerien bei der Integration von XML-basierten Datenhaltungssystemen in Zusammenarbeit mit InDesign.










