Evri: semantische Verknüpfung verschiedener Webinhalte
Der Trend zu semantischen Anwendungen nimmt weiter Fahrt auf. Neuestes Beispiel ist das Startup Evri. Gegründet wurde das Technologie-Unternehmen von Neil Roseman, einem ehemaligen Vizepräsidenten der Softwaresparte von Amazon. Mit der finanziellen Unterstützung von Vulcan Capital, dem Investment-Unternehmen von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, hat Evri den Sprung in die offene Betaphase gewagt.
Wie funktioniert Evri?
Bei einer herkömmlichen Suche über eine Suchmaschine bekommt man die Ergebnisse in Form einer Liste angezeigt. Der Webservice von Evri, der keine Suchmaschine, sondern eher eine Hilfestellung zum Auffinden relevanter und miteinander in Beziehung stehender Informationen sein will, löst sich von der herkömmlichen Darstellung und erstellt stattdessen über spezielle Profilseiten ein einfaches Beziehungsschaubild.
Die Abbildung links zeigt den Suchbegriff "PayPal" und dazu die fünf Begriffe, die laut Evri den größten Bezug zum gesuchten Wort haben. Daneben werden einige Top-Artikel gelistet und in einer Vorschau sind sowohl Bilder als auch Videos zu sehen. Zudem wird der Begriff mit einer Kurzbeschreibung aus der Wikipedia-Datenbank verknüpft. Durch einen einfachen Klick lässt sich der ursprüngliche Suchbegriff mit einem der dazugehörigen Top-Begriffe verknüpfen, um so Artikel, Bilder und Videos mit beiden Begriffen zu finden.
Um eine solche Abfrage starten zu können, muss der Begriff als Profil definiert sein. Die Eingabe von z.B. "T3N" liefert keine Ergebnisse, da kein T3N-Profil hintergelegt ist.
Es gibt aber auch eine Anwendungsmöglichkeit jenseits der Profile und zwar über die Einbindung des Evri-Widgets in eine Webseite. Per Klick auf einen Evri-Link wird das Widget geladen und zeigt dem Leser mit welchen anderen Inhalten die Personen, die Orte oder die News in dem Artikel verknüpft sind. Damit soll es möglich werden, alle relevanten Informationen zu einem Thema zu erhalten, über das man gerade etwas liest.
Die Funktionalität von Evri basiert nicht auf Algorithmen wie sie von Suchmaschinen verwendet werden. Stattdessen identifiziert Evri jede Person, jeden Ort und jeden Begriff in einem Artikel, sowie deren Beziehungen untereinander. Diese Informationen dienen als Basis zum Aufzeigen anderer themenspezifischer Inhalte.
Momentan stehen Pop-up-Widgets für TypePad, Blogger und WordPress zur Verfügung. Möglich ist aber auch die direkte Einbindung des Codes in eine Webseite. Geplant sind zudem weitere Widget-Formen, die eine Darstellung in der Sidebar oder eine Einbettung in die Seite erlauben.
Ein erster kurzer Test
Von einem Service, der gerade in die offene Betaphase übergegangen ist, darf man keine Perfektion erwarten. Gerade semantische Anwendungen werden gerne allzu kritisch betrachtet, sieht man in ihnen doch vielfach die Zukunft des Internets.
Auch Evri weiß noch nicht so recht zu überzeugen. Die Beschränkung auf definierte Profile, bzw. auf Seiten mit dem Widget wird bei einem Erfolg des Startups mit entsprechender Verbreitung nach und nach aufgehoben. Aber auch die Profilseiten selbst haben noch einige Schwächen. Die Eingabe von "Apple" lieferte beispielsweise nur Artikel und keine in Beziehung stehenden, Bilder oder Videos (siehe Screenshot). Die Profilseite von PayPal funktioniert dagegen schon zufriedenstellend und zeigt in allen Bereichen relevante Informationen an. Allerdings dürfte die streng limitierte Auswahl der Top-Artikel auf zehn oder weniger Beiträge für viele der Nutzer nicht ausreichend sein.
Die Qualität der begrifflichen Verknüpfungen ist ebenso zweifelhaft, wie auch Don Reisinger auf TechCrunch feststellt. Seine Suche nach "Dean Martin" brachte einen Artikel zur Finanzmisere der Lehman Brothers hervor.
Fazit
Besonders für semantische Anwendungen ist es heute schwer, sich vom Start weg zu behaupten. Auf der einen Seite sind die grundlegenden Problemfelder des Semantic Web von enormer Intensität und Komplexität. Auf der anderen Seite stecken in dem Thema sehr viel Fantasie und auch sehr hohe Erwartungen.
Wie bei allen großen Entwicklungen steht am Anfang die Idee. Die Möglichkeiten für eine effektive Umsetzung des Semantic Webs bestehen derzeit aber noch nicht. Doch Unternehmen wie Evri, Powerset, Hakia oder Thomson Reuters arbeiten bereits an der Umsetzung der Vision von Tim Berners-Lee und sollten mit Pioniergeist betrachtet werden.










