Interview zu OpenOffice.org 3.0: "Open Source ist viel mehr als nur eine Form der Lizenzierung"
Wurde OpenOffice.org anfangs von manchen als bloßer Klon von Microsofts Office-Suite angesehen, hat sich das Projekt eigenständig entwickelt. Heute kann es sich an vielen Stellen mit dem Marktführer messen - oder ist ihm sogar voraus.
T3N: OpenOffice.org orientiert sich an der klassischen Benutzerführung eines Office-Programms, während Microsoft hier teilweise neue Wege beschreitet. Wird es ähnliche Änderungen auch bei OpenOffice.org geben? Inwiefern sind Nutzerführung und Usability ein Thema?
Florian Effenberger: Mit Erscheinen von Office 2007 wurde natürlich auch bei uns heiß diskutiert, welche Auswirkungen die neue Microsoft-Oberfläche auf künftige OpenOffice.org-Versionen hat. Nach derzeitiger Planung werden wir dieses Konzept nicht übernehmen, da insbesondere die Mehrzahl der Firmennutzer große Probleme mit der Umgewöhnung und den daraus resultierenden hohen Schulungskosten hat, und auch in puncto Bedienbarkeit die "klassische" Oberfläche bevorzugt.
Für die Nutzer von Microsoft Office ist dies gleichzeitig auch eine Chance, denn anstatt auf die Nachfolgeversion eines proprietären Produkts zu setzen, für das sie die Bedienung neu erlernen müssen, können sie ohne großen Aufwand auf eine freie Lösung umsteigen - OpenOffice.org. Dabei sparen sie nicht nur Lizenzkosten, sondern erhalten gleichzeitig alle Vorteile eines Open-Source-Produkts.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass unsere Benutzeroberfläche keiner Veränderung unterliegt. Es gibt ein eigenes "User Experience"-Projekt bei OpenOffice.org, welches sich mit der Oberfläche, den Funktionsabläufen und dem Erscheinungsbild des Programms befasst und anhand von Untersuchungen und Nutzerrückmeldungen entsprechende Verbesserungen vornimmt.
Das Schöne an OpenOffice.org ist, dass es zum einen durch offene Quellen und zum anderen durch die Extensions-Funktionalität beinahe beliebig angepasst werden kann, sodass theoretisch jeder eine Oberfläche vergleichbar mit Office 2007 als Erweiterung programmieren kann. Die Nutzer hätten dann - im Vergleich zu anderen Programmen - dennoch die Wahl, die Erweiterung zu installieren oder nicht.
T3N: Mit der Version 3.0 wurde ein Meilenstein erreicht. Wie sieht die Bilanz der vergangenen Jahre aus?
Florian Effenberger: Ich denke, das gesamte Projekt kann stolz sein auf das, was es in den vergangenen Jahren erreicht hat. Anfangs war OpenOffice.org eher der Exot und wurde milde belächelt, mittlerweile sind wir ganz stark im Markt positioniert. Die Botschaft ist längst angekommen, und zahlreiche Migrationen zeigen, dass freie Software auch im professionellen geschäftlichen Umfeld eingesetzt werden kann. OpenOffice.org ist nicht nur einfach ein lizenzkostenfreier Klon zu bestehender Software, sondern eine wirkliche Alternative, mit vielen Vorteilen für die Nutzer. Doch nicht nur OpenOffice.org selbst, sondern auch die Ideen dahinter haben sich bewährt: freie Dokumentformate, offene Schnittstellen und Standards, sowie die freie Verfügbarkeit des Sourcecodes.
OpenOffice.org wurde in den vergangenen Jahren weit über 100 Millionen Mal heruntergeladen und ist mittlerweile in über 90 Sprachen verfügbar. Die Community wächst und wächst, und auch viele Firmen erkennen das Potential, das in freier Software liegt. Viele „global player“ engagieren sich im Projekt, genauso wie unzählige Privatpersonen einen unverzichtbaren Beitrag leisten.
Ein großer Schritt war sicherlich die Veröffentlichung der Version 2.0 im Herbst 2005, die nicht nur funktionell, sondern auch optisch einen großen Schritt im Vergleich zur ersten Version gemacht hat. Seitdem haben wir das Programm kontinuierlich weiterentwickelt. Auf den ersten Blick mögen die Veränderungen in der Version 3.0 vielleicht gar nicht so gewichtig ausfallen, doch die Verbesserungen liegen vor allem im Detail. Insbesondere durch den Fokus auf die Extensions haben wir eine wichtige Grundlage für die Zukunft geschaffen. Vor allem freut mich, dass wir jetzt auch eine native Version für Mac OS X vorweisen können, die sich perfekt in das System integriert.
T3N: In die Zukunft geschaut: Wo liegen die Schwerpunkte für die nächsten Jahre?
Florian Effenberger: Ich denke, dass wir eine noch stärkere Anbindung an Internet-Dienste sehen werden. Bereits jetzt ist es aus OpenOffice.org heraus möglich, direkt in Blogs oder Wikis zu publizieren oder Inhalte aus dem Internet beispielsweise in Tabellen zu übernehmen. Auch die Technik hinter der freien Office-Suite wird in mehreren Online-Offices eingesetzt. Die Zukunft wird sicherlich mit weiteren spannenden Ideen aufwarten.
Ein "Dauerthema" ist die Anbindung an Drittprodukte. Ich bin überzeugt davon, dass durch den verstärkten Einsatz freier Software auch die Hersteller proprietärer Software immer mehr dazu übergehen werden, ihre eigenen Schnittstellen offenzulegen und ihrerseits selbst Schnittstellen zu Programmen wie OpenOffice.org anzubieten. Dabei spielt auch die Extensions-Fähigkeit von OpenOffice.org eine große Rolle, denn dadurch lassen sich ohne großen Aufwand entsprechende Erweiterungen vornehmen.
"Unter der Haube" wird sich ebenfalls einiges tun. Unsere Entwickler sind kontinuierlich dabei, den Quelltext zu optimieren.
T3N: Die Bedeutung von Open Source wächst spürbar. OpenOffice.org ist ein Beispiel als harter Konkurrent kommerzieller Office-Angebote. Wird Open Source künftig das marktbeherrschende Modell sein? Oder wird es daneben noch die klassischen Closed-Source-Angebote von Firmen wie Microsoft geben?
Florian Effenberger: Es ist mittlerweile ins allgemeine Bewusstsein übergegangen, dass Open Source-Programme nicht nur lizenzkostenfreie "Klone" zu proprietärer Software sind. Open Source ist auch viel mehr als nur eine Form der Lizenzierung. Es ist eine andere Art der Zusammenarbeit, eine andere Art der Programmentwicklung und eine andere Art des Umgangs mit dem Nutzer - eine sehr positive, transparente und offene. Die Kunden verlangen heute völlig zu Recht offene Standards, weil sie sichergehen möchten, sich nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig zu machen und weil sie wissen, dass ihre eigene geistige Leistung in Form ihrer Dokumente, Präsentationen und dergleichen mehr nur dann wirklich sicher ist, wenn sie freien Zugriff darauf haben. Open Source ermöglicht darüber hinaus fast jedermann, unabhängig von seiner finanziellen Stellung, an unserer heutigen Informationsgesellschaft teilzuhaben.
Entgegen der gängigen Klischees verdrängt Open Source auch keine kommerziellen Anbieter. Viele Beispiele beweisen, dass es einen Markt um die freie Software herum gibt und dass auch Unternehmen wirtschaftlich davon profitieren können. Meiner Meinung nach ist bei Open Source jeder ein Gewinner, und genau deswegen ist dieses Modell so erfolgreich.
Sicherlich gibt es Bereiche, in denen Open Source nur schwer Fuß fassen wird. Auch wenn andere Modelle sicher nicht aussterben werden, so bin ich überzeugt davon, dass Open Source weiter stark an Bedeutung zunehmen wird.
Über Florian Effenberger
Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren für Open-Source-Software. Er ist internationaler Marketing Project Co-Lead sowie Ansprechpartner Marketing für den deutschsprachigen Raum bei OpenOffice.org und Mitglied im Vorstand des gemeinnützigen Vereins OpenOffice.org Deutschland e.V. Daneben ist sein Spezialgebiet die Konzeption und Administration von pädagogisch sinnvollen Netzwerken für Schulen auf Open-Source-Basis.










Falls jemand nach Ooo Erweiterungen suchen sollte: extensions.services.openoffice.org Kann ich nur empfehlen!
Angeblich sollen die Erweiterungen z.T. auch für StarOffice geeignet sein. 2, 3 getestet --> OpenOffice 3.0 ist erforderlich. Gerade für StarOffice entdeckt:
www.sun.com/software/staroffice/extensions.jsp
Hier wird der Sun Weblog Publisher auch kostenfrei zum Download angeboten.