Yahoo Open Strategy: Yahoo will sich öffnen

28.04.08 - 12:39

Während die Übernahmeschlacht zwischen Microsoft und Yahoo in vollem Gange ist, hat das Management des Internetkonzerns um Firmengründer Jerry Yang eine neue Strategie zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens veröffentlicht. Yahoos Open Strategy (Y!OS) wurde auf der Web 2.0 Expo offiziell vorgestellt. Sie sieht die Öffnung und eine massive Umstrukturierung des gesamten Portals vor.

Yahoo Open Strategy: Yahoo will sich öffnen

Damit Yahoo Marktanteile zurückgewinnen kann, setzt der Internetriese auf drei Schwerpunkte. Zum einen will das Portal seine Dienste besser miteinander verknüpfen und mit Hilfe des E-Mail-Dienstes eine zentrale Anlaufstelle für die Nutzer schaffen. Zum anderen sollen Drittentwickler für eine Erweiterung der Dienste sorgen, die Yahoo auf der neu gegründeten Yahoo Application Platform (Y!AP) präsentieren will. Der dritte Schwerpunkt ist eine radikale Öffnung der Dienste im Rahmen von OpenSocial.

Der rasante Erfolg von sozialen Netzwerken hat Yahoo gezeigt, wie wichtig die Vernetzung zwischen den Nutzen und das Zusammenspiel einzelner Dienste ist. Die Grundlage des neuen "Yahoo Networks" soll eine Zusammenführung von Nutzer-Accounts für verschiedene Dienste wie Mail, Messenger, Flickr oder Clever bringen. Einen zentralen Punkt soll dabei der E-Mail-Service darstellen, von dem aus der Nutzer Zugriff auf sämtliche Informationen über die verschiedenen Dienste und Aktivitäten von Freunden haben soll.

Die Sozialisierung bringt auch die Möglichkeit der automatischen Sortierung von E-Mails mit sich. Zukünftig sollen E-Mails nach Wichtigkeit und Kontext sortiert werden. Der Sortierungsalgorithmus erkennt dabei die Anzahl der Konversationen zwischen den Nutzern und deren Inhalt. Dabei soll auch die Kommunikation zwischen Freunden mit externen Netzwerken wie MySpace, Plaxo und LinkedIn ausgelesen werden können. Das löst die klassische chronologische Sortierung von E-Mails ab und könnte einen zukünftigen Trend in E-Mail-Postfächern aufzeigen.

Eine Vereinfachung und Angleichung des Yahoo User Interface (Y!UI) soll Yahoo zudem einfacher und übersichtlicher machen. Mit seinen 200 Millionen Mitgliedern hat Yahoo bereits eine sehr starke Basis für ein "Social Framework".

Ähnlich wie bereits Facebook, MySpace und neuerdings auch Google (Google App Engine, iGoogle) will Yahoo Drittentwicklern die Möglichkeit bieten, ihre Dienste in eine Plattform zu integrieren und dort zu betreiben. Die Yahoo Application Platform (Y!AP) sieht vor, dass User die Bandbreite, den Speicherplatz und die CPU-Ressourcen von Yahoo für ihre Anwendungen verwenden. Zuerst sollen nur sichere PHP-Applikationen unterstützt werden, weitere Sprachen sollen später folgen.

Der dritte Teil der neuen Strategie sieht eine massive Öffnung von Yahoo vor. Einerseits soll es dank einer großen Zahl von APIs möglich sein, Funktionen aus Yahoo heraus zu portieren, andererseits will Yahoo Fremdinformationen auch in das eigene Portal aufnehmen. So sollen die in Zukunft angebotenen APIs nicht nur die Funktionen von Diensten nutzen, sondern explizit auch Daten wie Kontakte extern verfügbar machen. Aus Angst vor dem Verlust von Nutzern, die von anderen Portalen und Plattformen durch eine Synchronisierung "übernommen" werden könnten, hatte bisher noch keiner der Internetgrößen einen solchen Schritt gewagt. Yahoo verspricht seinen Nutzern jede Synchronisierung erst nach Zustimmung des Nutzers zuzulassen und umfangreiche Funktionen zur Erhaltung der Privatsphäre einführen zu wollen. In der Beta-Version von Yahoo Search Monkey können Entwickler bereits jetzt ausprobieren, ihre Informationen mit der Suche von Yahoo zu kombinieren und so den Inhalt weiter auszubauen.

Yahoo dürfte erkannt haben, dass man im Bereich Suchmaschinenmarketing zu große Anstrengungen unternehmen müsste, um Google vom weit entfernten ersten Platz verdrängen zu können. So baut Yahoo jetzt mehr und mehr auf die Nutzer. Dafür lassen sie mehr Spielraum und wollen durch Offenheit trumpfen. Immerhin hat Yahoo noch immer 500 Millionen Besucher pro Monat, und das sind 60% (Google 72%; Daten: Comscore) aller Internetnutzer, die mindestens einmal pro Monat ein Yahoo-Angebot aufrufen. Die Neue Strategie viraler Verbreitung erinnert ein wenig an Google. Wohin der Weg auch führt, in die Hände Microsofts, in eine Partnerschaft oder auch weiterhin in die Selbstständigkeit, Yahoo zeigt mit seiner neuen Strategie, das es die Zeichen der Zeit erkannt hat.

(Simon Rabente)

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