Eclipse
Eine universelle Entwicklungsumgebung
Diese Artikelserie soll dem interessierten Leser das Projekt Eclipse vorstellen und zeigen, wie man als Entwickler von einer der zurzeit leistungsfähigsten Toolboxen profitieren kann. Allerdings ist Eclipse so umfangreich, dass hier nur ein Überblick gegeben werden kann.
| In dieser Ausgabe |
| Vorstellung des Projekts, der universellen Entwicklungsumgebung und Grundlagen |
| T3N 03/2006 |
| PHP-Entwicklung mit Eclipse: Vorstellung von Tools zur Entwicklung mit der beliebten Webskriptsprache |
| T3N 04/2006 |
| Vorstellung der Teamfeatures von Eclipse auf Basis eines kleinen XHTML-/CSS-Vorlagen-Projekts (Powerworkshop) |
Von den OTI-Labs zum großen Werkzeugkasten
Eclipse hat seinen Ursprung in den OTI-Labs von IBM (Object Technology International) und wurde dort entwickelt, als IBM vor der Aufgabe stand, seine vielen individuellen Entwicklertools in einem einheitlichen Framework zu integrieren. Das Ergebnis war Eclipse: ein leistungsfähiges Framework, dass unterschiedlichste Entwicklungswerkzeuge aufnimmt.
Der Erfolg von Eclipse beruht nicht nur auf dem finanziellen Engagement von IBM, sondern auch auf dem tiefen Expertenwissen der OTI-Entwickler. Der Design-Pattern-Experte Erich Gamma, bekannt von den Gang of Four [1], war verantwortlich bei der Entwicklung. Eclipse dient nun nicht nur als eine Highend- Entwicklungsumgebung, sondern auch als Lernplattform für das Erweitern der eigenen Fähigkeiten im Bereich des Software-Designs.
Für Anbieter von Entwicklungswerkzeugen sind mit Eclipse rosige Zeiten angebrochen. Mussten sie bisher komplette Produkte pflegen, können sie sich jetzt auf die Pflege und Weiterentwicklung ihrer Tools und deren Integration in ein aktiv entwickeltes Framework konzentrieren. Zahlreiche Erweiterungen gibt es bereits heute. Eine Übersicht erhalten Sie in der Eclipse Plugin-Zentrale [2].
Download - Start - and Fun
Sollte Eclipse – bei der Ubuntu Distribution bereits integriert – nicht Teil des Lieferumfangs des eingesetzten Betriebssystems sein, kann es für zahlreiche Betriebssysteme direkt von der Website des Eclipse-Projekts bezogen werden. Voraussetzung ist die Verfügbarkeit einer Java-Runtime-Umgebung (JRE) und einer Portierung des Standard Widget Toolkit (SWT) für die eigene Plattform. Für die Betriebssysteme Linux, Mac OS X und Windows sind damit schon alle Voraussetzungen erfüllt. Der Eclipse-Download-Bereich führt auf einen der zahlreichen Download-Spiegelserver

Der Willkommensbildschirm informiert über das aktuelle Release und bietet Zugriff auf das Hilfesystem.
mit der automatischen Auswahl der aktuellen Eclipse-Version für das eigene Betriebssystem.
Da Eclipse in Java geschrieben ist, ist eine Installation nicht notwendig. Das Entpacken in das Programmverzeichnis reicht aus. Zum Starten der Umgebung ist lediglich ein Doppelklick oder der Shellaufruf der ausführbaren Eclipse-Datei notwendig. Der Start führt über die Auswahl des Workspace, in dem die Vorauswahl bestätigt wird, und mündet im Willkommens-Bildschirm. Auf dieser Übersichtsseite erhalten Sie aktuelle Informationen über Neuerungen, Hilfen sowie zur Entwicklung mit Eclipse. Diese Bildschirmmaske können Sie einfach durch das X auf dem Reiter schließen und gelangen so zur Java-Perspektive, einer der Entwicklungsansichten der Java-Development-Tools (JDT).
Bei der Arbeit mit Eclipse fallen einige Begriffe, die gerade Ein- oder Umsteiger häufig verwirren. Hier einige kurze Erläuterungen, da sie ein wichtiger Teil des mächtigen Eclipse-Konzepts sind.
Workspace
Ein Workspace ist ein Sammelort für Projekte und Einstellungen im Dateisystem, also ein ganz normales Verzeichnis mit einem Unterverzeichnis namens metadata. Auf Unix-Systemen ist dieses Verzeichnis versteckt.
Workbench
Die Arbeitsoberfläche in Eclipse wird Workbench genannt. Sie nimmt die grundlegenden Menüs auf und bietet über die Perspektiven Zugriff auf unterschiedliche Views und Editoren.
Perspektiven
Wo traditionelle Entwicklungsumgebungen zahlreiche Boxen in einem Fenster platzieren, bietet Eclipse dafür ein leistungsfähigeres Konzept.

Die Standard-Perspektive der Java-Development-Tools (JDT) gehört zum Basisumfang einer jeden Eclipse-IDE.
Denn Perspektiven legen fest, welche Editoren und Views geöffnet sein sollen und wo sie auf dem Bildschirm – oder genauer gesagt in der Workbench – zu platzieren sind. Da parallel mehrere Perspektiven geöffnet sein dürfen, bietet das Konzept die Möglichkeit, den Aufbau der Arbeitsoberfläche schnell umzuschalten. Damit kann man beispielsweise mit einem Mausklick von einer Java- in eine Python-Entwicklungsumgebung wechseln.
Editoren
Die Editoren sind die tägliche Arbeitsumgebung eines Entwicklers. Spezialisiert auf jeweils ein Datenformat, stehen viele verschiedene Editoren zur Verfügung, um sowohl textuell als auch grafisch arbeiten zu können. Die Bandbreite der Editoren reicht vom etwas komfortableren Notepad bis hin zum leistungsfähigen Java-Editor mit Refactoring-Funktionalität.
Views
Views (Sichten) sind ein weiteres essentielles Arbeitsmittel in Eclipse. Gerade deren logische Abtrennung von Editoren fällt so manchem Eclipse-Neuling schwer. Im Unterschied zu Editoren speichern Views keine Daten, sondern stellen diese lediglich dar. Views können Daten (z. B. Quellcode) somit nicht direkt ändern, sondern müssen diese Aufgabe an die entsprechenden Editoren weiterleiten. In ihrer Funktion sind Views aber eines der wichtigsten Mittel. Views können einem Entwickler eine Klasse strukturiert darstellen oder Information über deren Paketzugehörigkeit liefern.
Projekte
Projekte sind die Organisationseinheiten im Workspace. Sie nehmen Dateien und Verzeichnisse auf und verwalten je nach Spezialisierung weitere Informationen über Quellcode-Abhängigkeiten und Software-Erstellungsrichtlinien. Keine Datei und kein Verzeichnis kann außerhalb eines Projekts verwaltet werden, jedes Projekt muss einem Workspace zugeordnet sein. Das Importieren von bestehenden Daten aus dem Dateisystem ist möglich.
Erste Schritte mit Eclipse
Nachdem nun die notwendigsten Begriffe bekannt sind, kann das Anlegen des ersten einfachen Projekts beginnen. Dazu wird die Java-Perspektive durch den Menüaufruf „Window->Close Perspective“ geschlossen. Jetzt sind alle Perspektiven geschlossen, es sollten keine Views und Editoren zu sehen sein. Durch den Menüaufruf „Window->Open Perspective->Other“ gelangen Sie in einen Auswahldialog. Dort können Sie die Perspektive „Ressource“ auswählen, eine Basis-Perspektive mit allgemein nützlichen Views.
Legen Sie über das Menü „File->New->Project“ ein neues Projekt an. Es öffnet sich eine Auswahlbox unterschiedlicher Projekttypen, aus der Sie zunächst unter der Kategorie „Simple“ den Eintrag „Projekt“ auswählen. Über einen Wizard werden die notwendigen Informationen, etwa der Projekttitel, erfragt (z. B. „Eclipse Tutorial Part1“). Außerdem können Sie gegebenenfalls angeben, ob das neue Projekt sich auf andere Projekte im Workspace beziehen soll. Nach Beendigung dieses Dialogs befindet sich das neu angelegte Projekt im „Navigator“. Nun können Sie per Kontext- oder Workbench-Menü beginnen, Dateien oder Verzeichnisse anzulegen. Bestehende Daten können Sie über das Workbench-Menü „File->Import“ und den Eintrag „File system“ in Ihr Projekt importieren.
Fazit
Mit Eclipse hat IBM der weltweiten Entwicklergemeinde ein mächtiges Tool zur Verfügung gestellt. Der Einstieg fällt jedoch nicht immer leicht. Dieser erste Teil der dreiteiligen Artikelserie sollte Ihnen das minimale Grundlagenwissen zu Eclipse vermittelt haben. Der zweite Teil der Serie wird sich dem Thema PHP-Entwicklung mit Eclipse widmen. Weiterführende Artikel und Zusatzmaterial finden Sie auf der Website zu dieser Serie [3].





















