Extension Coordination Team (ECT)
Die Freude wird jedoch häufig getrübt, sobald es an den Einsatz einer Extension geht. Die Widrigkeiten sind ganz unterschiedlich, lassen sich aber in der Regel auf eine Ursache zurückführen: fehlende Koordination bei der Extension-Entwicklung. Bei der Vielzahl an Erweiterungen fällt es schwer, einen Überblick zu bekommen und diesen zu behalten. Allein das Suchwort „calendar“ führt zu 29 Treffern, vier davon mit dem Status „stable“, 16 mit dem Status „beta“. Die höchsten Download-Zahlen hat eine Erweiterung aus der Gruppe „beta“. Als einzige trägt diese das Logo „being reviewed“, allerdings schon seit mindestens zwei Jahren – ohne ein Ergebnis. Auch die Download-Zahlen bieten nur bedingt eine Orientierungshilfe. Mit der Zeit addieren sie sich, auch wenn die jeweilige Extension zunehmend veraltet.
Jeder Kalender offenbart andere Stärken und Schwächen. Ein Produkt, das annähernd alle standardmäßigen Anforderungen erfüllen würde, gibt es trotz der Vielzahl an Alternativen nicht. Anstatt einen gemeinsamen Kalender um neue Anforderungen zu erweitern, wurde mangels Koordination jeweils ein neuer Kalender entwickelt, der dann wieder nur Teilanforderungen erfüllte. Inzwischen gibt es allerdings eine eigene Projektgruppe „calendar“, die ihrerseits eine weitere Neuentwicklung vorbereitet, durchaus begründet und vielversprechend.
Der Anwender kommt um exzessive Tests und zahlreiche Nachfragen kaum herum. Auf anderen Gebieten sieht es nicht viel besser aus. So führt „newsletter“ zu 14 Treffern, „address“ zu 27 und „shop“ zu 19. Niemand wird behaupten können, einen annähernden Überblick über alle Erweiterungen zu haben. Systeme, die nur wenige Extensions mitbringen, auf deren Funktionsumfang man sich aber verlassen kann, werden da schnell zur attraktiven und ressourcensparenden Alternative zu TYPO3.
An der Schwelle zu WEB 2.0
Um diese Situation zu verstehen, müssen wir uns das Selbstverständnis und die Geschichte von TYPO3 vor Augen führen. Es ist als mächtiges Backend zur Pflege von Content entstanden, der mittels des fortschrittlichen TypoScript-basierten Rendering-Systems im Frontend ausgegeben werden kann. Man könnte von der Erzeugung typischer WEB-1.0-Seiten sprechen.
Frontend-Extensions sind aus dieser Perspektive zunächst einmal nur kleine Goodies, die nicht im Mittelpunkt des Projekts stehen. Das vergleichsweise kleine Team der organisierten Entwickler konzentriert sich deshalb bisher ganz auf die Verbesserung der Kernfunktionalitäten. Zur Koordination der Extension-Entwicklung waren bislang keine Kapazitäten eingeplant.
Über 1.000 Extensions zeigen aber, dass TYPO3 inzwischen viel mehr ist, als ein System zur Pflege und Ausgabe von Content. Fähigkeiten, die sich unter dem Marketingbegriff WEB 2.0 zusammenfassen lassen, werden auch von TYPO3 verstärkt erwartet. Ohne dass eine strenge Definition existieren würde, zählen hierzu sicher folgende Aspekte: Barrierefreiheit, CSS-basiertes Design, Portal-Features, Groupware-Funktionen, Blogs, Wikis, Foren-Newsgroups-E-Mail-Synchronisation, AJAX, Filesharing, Content Sharing (z. B. RSS-Feeds), das TYPO3 Extension Repository und das CMS selbst.
Es wäre schade, wenn zur Organisation der Extensions Ressourcen aus dem Kern-Team abgezogen werden müssten. Es gibt sicherlich genügend Entwickler, die sich auf die Extension-Entwicklung spezialisiert haben. Deshalb formierte sich im Dezember 2005 das ECT mit dem Ziel, Entwickler aus diesem Kreis für die Extension-Organisation zu mobilisieren. Selbstverständlich kann dieses nur in enger Koordination mit dem Kernentwickler-Team und dem Research & Development Committee gelingen.
Bislang haben sich rund 20 Entwickler als Unterstützter der Extension-Koordination auf der Wiki-Seite des Teams angemeldet. Wenn nur die Hälfte davon aktiv wird, kann ECT viel zum Erfolg von TYPO3 beitragen. Als Kommunikations-Plattform steht dem Extension Coordination Team eine eigene Newsgroup zur Verfügung. Während des Frühjahrs will sich das ECT in kleinen Produktgruppen organisieren. Welche der Projekte sich realisieren lassen, hängt nicht zuletzt davon ab, für welche Bereiche sich Projektleiter finden. Die geplanten Projekte werden hier kurz vorgestellt.
Partner-Framework
Zu den zentralen Tabellen, auf die zahlreiche Extensions zugreifen, zählen neben den Kerntabellen „pages“ und „tt_content“ auch die Frontend-Tabellen „fe_users“, „fe_groups“ und „tt_address“. Felder für Adress-Datensätze finden wir dabei sowohl in „fe_users“ als auch in „tt_address“. Zählen wir die Tabelle „be_users“ hinzu, so müssen wir die selben Personendaten an bis zu drei unterschiedlichen Stellen pflegen. David Brühlmeier hat dazu die Projektgruppe „Partner-Framework“ ins Leben gerufen. Das Konzept sieht ein Application Programming Interface vor, um darüber auf zentral gehaltene Partnerdaten (inklusive Adressen) zuzugreifen. Die Partnerdaten werden zur Rückwärtskompatibilität automatisch zwischen den verschiedenen bisherigen Tabellen synchronisiert. Das API kann die Partnerdaten in verschiedenen Formaten austauschen (z. B. vCard, xNAL, xCIL). Darüber hinaus können auch Beziehungen zwischen verschiedenen Partnern abgebildet werden. Auf der Basis der Ergebnisse des Partner-Frameworks muss die Frontend-User-Registrierung angepasst werden.
Fortschrittliche Zugriffsrechte
Die Organisation der Zugriffsrechte in Front- und Backend mittels Nutzern und Gruppen ist für komplexere Teams nicht ausreichend. Hier ist ein erweitertes Rechtesystem zu definieren, das beispielsweise Rollen und/oder Access-Control-Lists implementieren könnte. Der Rat von Experten ist hierzu willkommen.
TypoScript-Snippet-Archiv
Als erfahrener TypoScript-Entwickler und aktiver Supporter in den Newsgroups übernimmmt Jo Hasenau die Organisation eines Archivs von nützlichen Typoscript-Schnippseln. Dadurch sollen zugleich Standards zur TypoScript-Entwicklung etabliert werden.
Out-of-the-Box-Installationen
Dieses Teilprojekt wird von Elmar Hinz koordiniert. Die Idee hinter Out-of-the-Box-Installationen ist, TYPO3-Installer für bestimmte Einsatzbereiche anzubieten, die sich mittels eines modernisierten Installers innerhalb von wenigen Minuten zum Laufen bringen lassen. Durch eine Auswahl an unterschiedlichen Skins im TYPO3-Extension-Repository sollte sich zudem das Aussehen der vorkonfigurierten Systeme auf einfachste Art und Weise modifizieren lassen. Als Einsatzbereiche bieten sich beispielsweise folgende Pakete an:
| TYPO3 Classic | TYPO3 Blog |
| TYPO3 Forum | TYPO3 Wiki |
| TYPO3 Event | TYPO3 Portal |
| TYPO3 Groupware | TYPO3 Community |
Im Unterschied zu anderen Angeboten wie etwa einer Blog-Software, lassen sich diese Installationen jederzeit zu einem vollwertigen CMS und um zusätzliche Extensions erweitern, ohne dass dabei die Software ausgetauscht werden muss oder der Besucher einen Bruch zwischen verschiedenen Anwendungen erlebt.
Schulungs-Extensions
Die amerikanische User Group bereitet derzeit neues Schulungsmaterial vor das eventuell geeignet ist, das etwas angestaubte Getting-Started-Tutorial abzulösen. Je nachdem gilt es die zugehörigen Extensions zu internationalisieren oder das Quickstart-Packet weiter zu betreuen.
Qualitätssicherung und Auswahlhilfen
Das Extension-Review-Projekt ist daran gescheitert, dass niemand motiviert war für Hunderte von Extensions lange Checklisten abzuarbeiten. Deshalb müssen andere Werkzeuge gefunden werden, eine hohe Qualität der Extensions zu erreichen und die Anwender durch den Extension-Dschungel zu führen. Patrick Rodacker organisiert ein neues Konzept für ein Extension-Rating-System. Folgende Features für das TER wurden bisher vorgeschlagen:
- Nutzerwertungen, aufgeschlüsselt nach sinnvollen Kriterien wie Nutzen, Dokumentation, Support
- Nutzerkommentare, gut sichtbar auf der jeweiligen Extension-Seite
- Links auf zugehörige Tools wie Bugtracker, Newsgroup oder Wiki
- Jobbörse, auf der Extension-Eigentümer Teammitglieder für ihre Extension suchen können
Wettbewerbe
ECT unterstützt den Award des Marketingteams und organisiert einen dedizierten Extension-Award. Neben einem Ansporn für die Entwickler sollen die Awards auch zu Reviews wichtiger Extensions führen. Das ECT überlegt, inwieweit eine Art „Eigenreview“ durch die sich bewerbenden Extensions möglich ist.
Newsgroup
Die Newsgroup „typo3.teams.extension-coordiniation“ auf dem Server „news.netfielders.de“ lädt Entwickler ein, sich dort Hilfe zu holen und Projektteams für einzelne Extensions zu gründen.












