Flexible Plattformen

Open-Source-Portale im Vergleich

Die Standard-Oberfläche von Apache Jetspeed2 wirkt nüchtern, aber aufgeräumt und übersichtlich.

Die Standard-Oberfläche von Apache Jetspeed2 wirkt nüchtern, aber aufgeräumt und übersichtlich.

Apache Jetspeed2

Das Portal Jetspeed2 ist ein Projekt der Apache Foundation. Das System läuft auf einem Tomcat-Servlet-Container, der ebenso wie eine vorkonfigurierte Derby-Datenbank zum Installationsumfang gehört. Das Portal-System zeigt sich flexibel und kann mit verschiedenen Anwendungsservern und Datenbanken betrieben werden. Jetspeed2 unterstützt Mechanismen zum Single-Sign-On und kann durch seine Partner- und Teilprojekte, die so genannten Bridges [1], verschiedenste Webframeworks integrieren. Jetspeed2 bedient sich des Portlet-Containers Apache Pluto, der Referenzimplementierung des JSR-168-Standards.

Die aktuelle Jetspeed-Version 2.1 liefert dem Anwender verschiedene Beispielanwendungen mit, die den Einstieg erleichtern sollen. Benutzer können das Look & Feel des Portals durch die Velocity-Skriptsprache oder mit JavaServer-Pages-Templates an die eigenen Wünsche anpassen. Leider ist die Dokumentation für einen Neueinsteiger in sehr geringem Ausmaß hilfreich und erfordert eine gewisse Einarbeitung in die Thematik. Kleinere Änderungen können aber durch die Editierung der bestehenden CSS-Dateien vorgenommen werden.

Die Informationen zur Handhabung der Plattform sind auch für Entwickler nicht leicht zugänglich. So sind die Dokumentationen um das Apache-Projekt sehr spärlich. Für den erweiterten Einsatz, zur Untersuchung oder zur Arbeit mit dem Portal empfiehlt sich daher das Abonnement der entsprechenden Mailinglisten.

Lizenz Apache Software License
Technologien JSR 168, JSR 286 (Entwurf), WSRP, Struts, JSP, JSF, PHP, Perl, AJAX, OJB u. Spring, Cocoon, WebMacro, Velocity, XML, Lucene
Portlets > 25
Applikationsbeispiele CMS, Kalender, Bookmark, Datenbank-Browser, RSS

JBoss-Portal 2

Das JBoss Portal 2 ist ein Teil der JBoss-Produktfamilie. Das Portal gibt sich in Bezug auf Einsatzmöglichkeiten und nutzbare Datenbanken sehr flexibel – im Paket enthalten ist eine Hypersonic SQL-Datenbank, JBoss Portal versteht sich allerdings auch mit MySQL, PostgreSQL und Oracle 10g. Beim Anwendungsserver gibt sich JBoss Portal weniger offen: Hier gibt JBoss den Application Server aus dem eigenen Haus vor.

Die Einsatzmöglichkeiten, die JBoss Portal 2 standardmäßig bietet, sind im Vergleich zu Jetspeed2 umfangreicher, da die Entwickler des Portals auf eine vollständige Lösung setzen. So ist es bei JBoss Portal 2 nicht notwendig, zusätzliche Erweiterungen zu integrieren, um beispielsweise eine Ajax-Anwendung einzusetzen.

Mit Portlets für administrative Aufgaben unterstützt JBoss Portal den Anwender dabei, das Portal nach seinen Bedürfnissen und Vorstellungen einzurichten.

Mit Portlets für administrative Aufgaben unterstützt JBoss Portal den Anwender dabei, das Portal nach seinen Bedürfnissen und Vorstellungen einzurichten.

JBoss ermöglicht Entwicklern und Anwendern, ihre selbst entwickelten Anwendungen anderen Benutzern zur Verfügung zu stellen. So sind zur Verteilung solcher Anwendungen das Projekt „Portlet Swap“ sowie ein Eclipse-Plugin entstanden.

Die enge Beziehung zwischen Portal und Anwendungsserver aus einem Haus verringert zwar die Flexibilität, bietet dem Anwender dafür jedoch eine sehr stabile Plattform. Zudem unterstützen eine gute Dokumentation, ein Bugtracker auf Basis von Jira [2] und eine aktive Community in Foren und Mailinglisten den Anwender beim Einsatz der Plattform.

Lizenz LGPL (GNU Lesser General Public License)
Technologien JSR 168, JSR 170, WSRP, Struts, JSP, JSF, AJAX, JMX 1.2, J2EE 1.4, Spring, XML
Portlets > 20
Applikationsbeispiele CMS, Business Intelligence, Wiki
Dank intuitiver Oberfläche und guter Dokumentation lassen sich eigene Portlets, etwa zum Einbinden von RSS-Feeds, mit Liferay zügig einbinden.

Dank intuitiver Oberfläche und guter Dokumentation lassen sich eigene Portlets, etwa zum Einbinden von RSS-Feeds, mit Liferay zügig einbinden.

Liferay 4

Liferay wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel ins Leben gerufen, gemeinnützigen Organisationen eine Open-Source-Lösung zur Verfügung zu stellen, die ihnen die Zusammenarbeit über das Internet erleichtert. Heute ist Liferay eine ausgewachsene Portal-Lösung, das gleichnamige Unternehmen hinter dem System bietet Kundensupport beim Einsatz und der Umsetzung von Portal-Lösungen an.

Liferay unterscheidet zwischen einer schlanken Professional- und einer umfangreicheren Enterprise-Version. Diese nutzt im Vergleich zur Professional-Variante Enterprise Java Beans, um ein hohes Maß an Skalierbarkeit und Transaktionsunterstützung zu gewährleisten. Die Professional-Version ist etwas schlanker gehalten und kann beispielsweise als Entwicklungsumgebung verwendet werden. Die so entwickelten Portal-Anwendungen können anschließend problemlos auf ein auf der Enterprise-Version basierendes Produktivsystem auf dem Anwendungsserver migriert werden. Die Benutzeroberfläche des Portals lässt sich im Vergleich zu den anderen Systemen intuitiver bedienen. Durch die Einbindung der Open-Laszlo-Engine [3] kann der Nutzer Anwendungen einfach via Drag & Drop innerhalb der einzelnen Portalseiten verschieben. Liferay lässt dem Anwender in Bezug auf Anwendungsserver und Datenbank durch die Unterstützung aller wichtigen Anbieter nahezu freie Wahl. So lässt sich ein auf Liferay basierendes Portal in die unterschiedlichsten bestehenden Systemlandschaften einbinden. Liferay ist zudem kompatibel zu JSR 16 und unterstützt zahlreiche Webframeworks, etwa JavaServer Faces zur Gestaltung der Benutzeroberflächen.

Die Anwendungen zur Administration von Liferay sind übersichtlich und klar gestaltet. So ist es ein Leichtes, das Portal beispielsweise mit einem Microsoft Active Directory zu verbinden, um auf die Benutzer des Verzeichnisdienstes zurückzugreifen. Wie JBoss Portal bietet auch Liferay ein umfassendes Repertoire an Beispielanwendungen, die dem Anwender zur Verfügung gestellt werden. Benutzer werden zusätzlich mit einer guten Dokumentation, Foren und Mailinglisten unterstützt.

Lizenz MIT-Lizenz
Technologien JSR 168, JSR 286 (Entwurf), WSRP, Struts, JSP, JSF, Tiles AJAX, EJBs, Spring, AOP, SOAP, Hibernate, RMI, Velocity
Portlets > 80
Applikationsbeispiele CMS, Kalender, Forum, Adressbuch, Instant Messaging, Shop, Wiki, Google Maps, Workflow, Quick Note

Fazit

Für den produktiven Einsatz einer Open-Source-Plattform sollte auf ein bereits erprobtes und stabiles System gesetzt werden. Apache Jetspeed bietet ein modulares und funktional sauber definiertes Portal. Es fehlt jedoch die öffentliche Präsenz und die Unterstützung anderer Anwender und Entwickler, die nur durch die eigene aktive Teilnahme in der Community erreicht werden kann. JBoss Portal und Liferay haben mit ihren aktuellen Versionen eine stabile Basis geschaffen. Sowohl JBoss Portal als auch Liferay unterstützen die Anwender mit kommerziellem Support, Schulungen und Seminaren zu ihrem Portal-System. Auch die Integration des Content Management Systems Alfresco zeigt deutlich, dass beide Plattformen einen Weg suchen, im Vergleich mit Portalen kommerzieller Hersteller mitzuhalten.

Liferay hebt sich von den anderen vorgestellten Plattformen durch die innovative Integration der Open-Laszlo-Engine und das große Angebot an Beispielen in den verschiedensten Bereichen der Portal-Plattform ab. Im Vergleich mit den Mitbewerbern besticht das Portal durch seine große Flexibilität im Bereich der Anwendungsserver und Datenbanken. Nicht zuletzt spricht die hohe Aktivität in der Benutzer- und Entwicklergemeinde für Liferay, da dies die Arbeit mit dem System erheblich unterstützt.

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