Goldenes Handwerk mit TYPO3

Branchenlösungen schaffen Standards und optimieren die Pflege

Aktuelle Inhalte sind das Aushängeschild einer Internetseite. Werden sie nicht gepflegt, merken die Kunden das schnell und bewegen sich zu interessanteren Zielen im Internet. Für die Pflege der Inhalte stellt TYPO3 als leistungsstarkes Content Management System eine gute Basis dar. Dennoch tun sich Redakteure manchmal schwer mit der konstanten Bearbeitung und Ergänzung der eigenen Inhalte. Sind es dann noch immer wiederkehrende Arbeiten, wie zum Beispiel das Anlegen von Teasern oder das Zusammenstellen von Übersichtsseiten, breitet sich schnell eine gewisse Nachlässigkeit aus, die den offline publizierten Inhalten nicht gerecht wird.

Einmal editieren – mehrfach publizieren

Der größte Vorteil eines speziell auf Handwerkskammern und Verbände angepassten TYPO3 liegt wohl in der einfachen Abbildung einer homogenen Informationsarchitektur. Bereits beim Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. wurde das Konzept der Übersichtsseiten eingeführt (T3N 02/2005, Innovatives Handwerk, Seite 71) und es hat sich seitdem zur Abbildung inhaltsreicher Internetseiten bewährt.

Dabei pflegt ein Redakteur nur den von ihm gewählten Artikel und nutzt dazu alle von TYPO3 zur Verfügung gestellten Möglichkeiten: Texte, Bilder, Downloads, aber auch zugangsgeschützte Passagen oder ganze Bildergalerien können zu einer Seite zusammengefasst werden. Die im Seitenkopf festgelegten Informationen bilden dann die Zusammenfassung für alle weiter oben angeordneten Ebenen. Eine neue Seite wird so auf den darüber befindlichen Übersichtsseiten in einem Kurztext angerissen und verlinkt. Dieses Prinzip pflanzt sich bis zur Startseite fort, so dass die gesamte Struktur stets aktuell bleibt. Ergänzend dazu finden nicht mehr aktuelle Artikel Platz in einem konfigurierbaren Archiv. Ergebnis dieser Artikelverwaltung sind aufgeräumte Seiten bei deutlich erhöhter Nutzerfreundlichkeit, ohne dass der Arbeitsaufwand für die Redakteure steigt.

Klares Konzept – klares Design

Neben der konsequent benutzerorientierten Informationsarchitektur bildet auch das Aussehen einer Internetseite eine wichtige Grundlage für die Entscheidung, ob ein Artikel gelesen wird oder nicht. Aus diesem Grund wurden für die beiden Handwerkskammern Entwürfe entwickelt, die neben den jeweiligen Farb- und Identityvorgaben auch den Anspruch an leicht zu findende Informationen erfüllen sollten.

Die Ausgangslage war kompliziert: Über mehrere Abteilungen waren uneinheitliche Internetauftritte mit zahlreichen Informationen gewachsen, die inhaltlich und technisch schwer zugänglich waren. Deshalb war der erste Schritt eine Neukonzeption der Navigation sowie die Orientierung an Nutzerinteressen. Beide Auftritte profitieren von den neuen Designs. Klarere Navigationswege, Schnelleinstiege und Angebote, die zu den Artikeln passen, werden einfach gepflegt und an prominenten Plätzen dargestellt. Auf diese Weise fällt die Konzentration auf den Inhalt leicht. Darüber hinaus wurde auf eine möglichst W3C-konforme Umsetzung geachtet: Navigationen als Listen, semantische Auszeichnung von Überschriften und anderen Formatierungen sowie die Integration von Akronymen ermöglichen einen vereinfachten Zugang für alle Interessengruppen. Das gleichzeitig entwickelte Design ist ebenfalls ein wichtiges Merkmal und Basis der neu geschaffenen Portale. Aufbauend darauf war die Integration der bereits vorhandenen Datenbanken eine der spannendsten Herausforderungen.

Aktualität und Service: Die beiden Startseiten setzen sich aus automatisch generierten Anreißertexten und speziellen Einstiegen zusammen.

Aktualität und Service: Die beiden Startseiten setzen sich aus automatisch generierten Anreißertexten und speziellen Einstiegen zusammen.

Handwerkersuche leicht gemacht

Handwerkskammern erfüllen neben der politischen Willensbildung ihrer Mitglieder vor allem Serviceaufgaben. Eine detaillierte Handwerkersuche auf den Webseiten sowie zahlreiche Börsen zu den Themen Kooperationen, Betriebe oder Gewerberäumen bieten den Nutzern Dienstleistungen, die einfach zu bedienen und effizient zu nutzen sind. Bei der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) [1] wurden die bereits vorhandenen Strukturen der internen Verwaltung genutzt und mit leicht anzupassenden Masken in die Oberfläche von TYPO3 und in die eigentliche Internetseite integriert. Ab sofort kann man online in den Angeboten recherchieren oder selbst Gebote aufgeben. Die rege Nutzung durch die angeschlossenen Handwerksbetriebe zeigt das Interesse an solchen Angeboten.

Ebenso vereinfacht wurde die Darstellung und Buchung verschiedener Weiterbildungsangebote. Über den Import der Daten werden aktuelle Kurse und Lehrgänge kategorisiert und mit einer Buchungsmöglichkeit auf der Internetseite dargestellt. Die Redakteure müssen dafür nicht von ihrem gewohnten Arbeitsablauf abweichen. Auch das trägt dazu bei, dass die Internetseite nicht an Aktualität verliert und ständig neue Anreize für Besucher geschaffen werden.

Die Anpassung und Integration der Datenbanken stellte bei der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) einen der spannendsten Projektteile dar.

Die Anpassung und Integration der Datenbanken stellte bei der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) einen der spannendsten Projektteile dar.

Ansprechpartner einfach finden

Eine weitere Besonderheit ist die Abbildung der internen Struktur und die damit verbundene Zuständigkeit der Mitarbeiter für bestimmte Themen. Hierbei wurde die bereits bei der Handwerkskammer Berlin [2] entwickelte Mitarbeiterdatenbank konsequent in die TYPO3-Umgebung integriert. Eine Mitarbeitersuche und die Zuweisung von Ansprechpartnern zu Artikeln bieten schnelle Kontaktmöglichkeiten. Über ein spezielles Formular kann jedem Mitarbeiter dann eine Nachricht gesandt werden.

Migration der Inhalte – ungewohnt gewohnt

Einfache Inhaltspflege, ansprechendes Design, serviceorientierte Zusatzfunktionen: Funktionieren kann das Ganze dennoch nur, wenn das eingesetzte System von den Redakteuren genutzt und anerkannt wird. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, begann die Phase der Migration bei beiden Projekten zu einem frühen Zeitpunkt. Mit Hilfe von Schulungen wurde anhand realer Inhalte die neue Struktur mit Leben gefüllt und den Redakteuren die Arbeit mit dem System näher gebracht.

Neben der detaillierten Rechtevergabe kam hier auch der Workflow-Mechanismus von TYPO3 zum Einsatz. So konfiguriert, besitzt jeder Redakteur die ihm zustehenden Verantwortungen, ohne dass er vom Funktionsumfang des Gesamtsystems abgeschreckt wird. Eine schnelle Akzeptanz des CMS war das Ergebnis dieser Bemühungen.

Auch in anderer Hinsicht musste das System bestehende Ängste zerstreuen. Die vorherigen Lösungen der Handwerkskammern waren entweder schwer zu warten oder ein Update auf neuere Versionen der zu Grunde liegenden Software war mit großem Aufwand verbunden. Es herrschte also eine gewisse Unsicherheit. Durch die Einführung von TYPO3 sind solche Probleme jetzt Vergangenheit. Alle eingesetzten und speziell programmierten Erweiterungen werden von einem Update des Grundsystems nicht beeinträchtigt und garantieren auch auf lange Sicht ein wartbares und stabiles CMS.

Auch die spätere Erweiterung um neue Funktionen wird durch die Architektur unterstützt. Verschiedene Newsletter, ein Forum und zahlreiche Formulare erleichtern schon jetzt die Kommunikation zwischen den Mitgliedern und den Kammern. Zukünftig soll zum Beispiel mit Umfragemodulen die Interaktion noch ergänzt werden.

Fazit

Mit TYPO3 und den geschaffenen Erweiterungen lassen sich gerade inhaltsreiche Seiten zügig und effizient umsetzen. Die automatische Übernahme von Inhalten auf unterschiedlichen Ebenen sowie die einfache Wartbarkeit des Systems und seiner Komponenten machen das Open-Source-CMS vor allem für Kammern und Verbände interessant.

Gerade wenn es darum geht, gewachsene Strukturen und bestehende Datenbanken auch im Internet zur Verfügung zu stellen, spielt TYPO3 mit seinen zahlreichen Schnittstellen und der unkomplizierten Erweiterbarkeit seine Stärken voll aus.

Nachdem der Zentralverband des Deutschen Handwerks im letzten Jahr das Experiment mit freier Software gewagt hat, entschließen sich auch immer mehr Handwerkskammern zu diesem Schritt.

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