Greenpeace Deutschland
Zukunftssicher und barrierefrei mit TYPO3
Greenpeace macht seit über 30 Jahren weltweit Umweltprobleme zur öffentlichen Angelegenheit. Greenpeace Deutschland feiert im Herbst 25. Geburtstag. Für eine Nichtregierungsorganisation wie Greenpeace stellt die Online-Kommunikation einen wesentlichen Pfeiler dar um ungehindert über ihre Anliegen und Aktivitäten zu berichten. So unterstehen die Kommunikationsziele und -kanäle einer ständigen Überprüfung.
Anforderungen
Auch wenn der letzte Relaunch von Greenpeace Deutschland im Jahre 2002 nicht allzu weit zurücklag, kristallisierten sich neue Anforderungen an die Online-Plattform heraus. In dem bestehenden artikelorientierten Auftritt stellte der schnelle Zugang zu den Informationen die größte Hürde dar. Eine Überarbeitung der Informations- und Navigationsstruktur und in dem Zuge auch des Designs waren nötig. Die Navigation sollte einfach, übersichtlich und benutzerfreundlich sein. Besonders wichtig: Barrierefreiheit war eine der Hauptanforderungen des Kommunikationsbereichs an die IT-Abteilung von Greenpeace. Ziel war es, als erste Umweltorganisation mit einem neuen, barrierefreien Webauftritt auch Menschen mit Handicap den Zugang zu Inhalten im Internet zu erleichtern. Außerdem sollte die zentrale Webseite die barrierefreien Standards für alle zukünftigen neuen Webseiten der Organisation setzen.
Arbeitsprozesse mussten optimiert und der effektive Umgang mit großen Mengen vorhandener Assets, zum Beispiel Bilder, Filme und Dokumente, auf verschiedenen Plattformen einheitlich organisiert werden. Darüber hinaus sollte die tägliche Arbeit der Online-Redaktion mit dem neuen Content Management System erheblich erleichtert werden.
Die Plattform selbst war in Entwicklungs-, Produktions- und Live-Server zu trennen. Der Live-Betrieb musste sehr hohen Zugriffszahlen und Spitzenwerten gewachsen und jederzeit skalierbar sein.
Entscheidungskriterien für TYPO3
Greenpeace wollte weiterhin, wie bisher mit OpenACS, auf OpenSource setzen. Nach einer begrenzten Ausschreibung fiel die Entscheidung auf TYPO3 und auf die @rtplan[21] GmbH als ausführende Agentur. Ausschlaggebende Kriterien für das neue System waren:
- Flexibilität und Erweiterbarkeit
- Zukunftssicherheit und Support-Kraft durch die große Community
- die Möglichkeit, TYPO3 auch primär artikelorientiert einzusetzen
- Funktionsvielfalt und Anpassungsfähigkeit der integrierten Medienverwaltung (DAM)
- Einsatz von MySQL und dadurch Wegfall der bisher benötigten ORACLE-Lizenz
- Einsatzmöglichkeit von TYPO3 in einer skalierbaren Serverumgebung
Artikelsystem/Contentpool
Aus dem bestehenden Auftritt mussten alle bisherigen, im Laufe der Jahre entstandenen Artikel übernommen werden. Hierfür wurde eine neue Tabellenstruktur entworfen, die die Inhalte umstrukturiert und nach Artikelart und Themenbereich kategorisiert. Alle relevanten Informationen zu einem Artikel werden dadurch zentral gebündelt. Dies betrifft die klassischen Felder wie Überschrift, Kurztext, Text und Metainformationen, jedoch auch Referenzen zu zentral gehaltenen Artikeltypen, Themenkategorien, externe Links, Adressen und Medientypen wie Bilder, Downloads oder Videos. Für die Redakteure wurden übersichtliche Eingabemasken zur Verfügung gestellt, was mit dem „TYPO3 Extension Kickstarter“ ein Leichtes war.
Als Ablageort der Artikel in der Anwendung wurden Content-Pools angelegt, um Artikel-Inhalte mehreren Websites zugänglich zu machen. So kann die Website „Greenpeace 4 Kids“ [1], die für das Zielpublikum Kinder und Heranwachsende ebenfalls mit TYPO3 neu umgesetzt wurde, auf Inhalte der Haupt-Site zurückgreifen und umgekehrt. Die „Kinder-Site“ ist momentan noch mit einem vorgegebenen, nicht barrierefreien Layout implementiert, soll in Zukunft aber ebenfalls auf die neuen Standards von Greenpeace umgestellt werden. Aus der bestehenden ORACLE-Datenbank wurden sämtliche Artikel extrahiert, per Script von Formaten bereinigt und in neuer Struktur auf die Seiten des Content-Pools überführt.
Zur Ausgabe im Frontend wurde mit „general list“ ein neues, multifunktionales Plugin entwickelt, das Datenbankinhalte jeder Art in strukturierter Form darstellen kann. So ist es möglich entweder ausgewählte Artikel oder ganze Tabellen-Strukturen einer Ausgangsseite abzubilden. Die Modi der Darstellung, etwa Liste, Detail oder Layout, sind über TypoScript frei definierbar. Das Prinzip entspricht dem der Extension „tt_news“, ist aber weitergehend abstrahiert und mit zusätzlichen Funktionalitäten angereichert.
Digital Asset Management (DAM)
Auch für die Verwaltung der medialen Inhalte wurden innerhalb des Projekts in Zusammenarbeit mit René Fritz neue Funktionen und Verbesserungen entwickelt, die mittlerweile in Form der Extension „DAM“ [2] über das TYPO3 Extension Repository [3] frei verfügbar sind. Der Service zur Verarbeitung von IPTC-Daten – Metainformationen, die mit einem Bildbearbeitungsprogramm an eine Bild-Datei angehängt werden können – wurde runderneuert. Die Daten lassen sich nun direkt aus dem DAM übernehmen. Beim Indexieren von Bildern können so Metadaten (zum Beispiel Titel, Beschreibungen, Kategorien, Autoren oder Copyright-Informationen) eingelesen werden. Im Zusammenspiel mit dem für Massenoperationen verbesserten Indexierungsprozess und einem neuen Modul zur Abspeicherung von Indexierungsregeln in XML erlaubt das DAM nun große Mengen von Assets per Cronjob zu verarbeiten. Für Greenpeace ergab sich dadurch ein effektiver Workflow. Das neue Bildmaterial der Fotoredaktion wird per FTP auf einen Ziel-Server geladen, automatisch per Cronjob im Format verarbeitet und indexiert. Der Internet-Redaktion stehen so für neue Artikel immer tagesaktuelle Bilder zur Verfügung. Mittlerweile umfasst allein das Bildarchiv über 20.000 kategorisierte und vom DAM verwaltete Dateien.
Der zweite Block der wesentlichen Neuerungen im DAM betrifft das Einbinden der Assets in „tt_content“ oder beliebige andere Extensions. Mittlerweile ist es möglich im System hinterlegte, mediale Inhalte wie Bilder oder PDFs nicht als Kopie anzusprechen, sondern direkt auf sie zu referenzieren. Der Element-Browser wurde dahingehend überarbeitet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen muss bei einer nachträglichen Änderung nur eine Datei an zentraler Stelle aktualisiert werden. Zum anderen sind dadurch die Meta-Informationen für die Frontend-Ausgabe abbildbar. Downloads können so zum Beispiel nicht nur wie bisher mit einem Thumbnail und dem Dateinamen, sondern auch mit einer Beschreibung oder einem Textauszug angezeigt werden. Für die Erstellung von barrierefreien Webseiten kommen weitere erhebliche Vorteile hinzu.
Barrierefreiheit: Ideal mit TYPO3
Die barrierefreie Umsetzung der neuen Website erweitert nicht nur den Benutzerkreis und ist mittlerweile für Greenpeace als Nichtregierungsorganistation eine Selbstverständlichkeit. Barrierefreiheit hat auch ganz pragmatische Gründe, indem sie die Aktivisten und Journalisten vor Ort durch die problemlose Darstellung der Inhalte auf mobilen Geräten wie etwa Blackberrys oder PDAs unterstützt. Letztendlich bewirkt die barrierefreie Umsetzung aber auch schlankeren Quelltext, damit weniger Traffic und somit einen ressourcenschonenden Einsatz von Technologie. Dies ist absolut im Sinn von Greenpeace und seinen Unterstützern.
Bei der Umsetzung der Website wurden eine Vielzahl von Kriterien mit einbezogen. Der Prototyp wurde auf seine Informationsarchitektur überprüft und einer heuristischen Evaluation durch „Trixie und Alvar C.H. Freude“ unterzogen. Die Möglichkeit des Benutzers, sich Informationen parallel über einen thematischen Weg (zum Beispiel Atomkraft, Meere) oder über den Typ der Information (etwa Pressemitteilung, Nachricht, PDF-Dokument oder multimedialer Inhalt) zu erschließen, hat sich als sehr positiv herausgestellt. Das Layout und die Präsentation basiert vollständig auf CSS-Techniken. HTML-Elemente werden dabei lediglich zur logischen Strukturierung der Inhalte verwendet. Bei der Layout-Umsetzung wurde auf die Linearisierbarkeit der Inhalte geachtet. Tabellen und andere HTML-Elemente wurden nicht für Layout-Zwecke eingesetzt. Alle Menüs und Listen wurden als HTML-Listenelemente umgesetzt. Für ältere Browser ist die CSS-Verwendung deaktiviert, diese stellen die Seiten ohne CSS in linearisierter Form dar, um Darstellungsfehler zu vermeiden. Das Layout und die Schriften sind skalierbar und als zusätzliche Darstellungshilfe wurde ein skriptgesteuertes Element verwendet, mit dem eine Schriftgrößenänderung direkt auf der Seite möglich ist.
Für einzelne Ausgabegeräte werden unterschiedliche CSS-Layout-Dokumente benutzt. Die Druckversion einer Webseite beispielsweise ist ausschließlich mit CSS-Mitteln implementiert. Sämtliche HTML-Seiten, auch die komplexen Formulare, validieren nicht nur gegen den Standard XHTML 1.0 transitional, sondern auch gegen die restriktivere Variante XHTML 1.0 strict. Neben der korrekten semantischen HTML-Auszeichnung für Zitate und hervorgehobene Textpassagen im angepassten Editor „htmlArea RTE“ werden Akronyme, Abkürzungen, Definitionen und Sprachwechsel für das gesamte System in ein eigens entwickeltes, zentrales Glossar eingetragen (Extension: „Accessibility Glossary“). Beim Parsen der Webseite erschließen sich Begriffe so zum einen über eine maus-sensitive Markierung im Text und sind zusätzlich, mithilfe des Plugins „general list“, als Glossar alphabetisch sortiert darstellbar.
Ein Nummernblock, das sogenannte Access-Key-Pad, für oft verwendete Seiten, Navigations- und Sprungmöglichkeiten direkt zum Inhalt, Inhaltsverzeichnisse und Sprungmarken innerhalb von größeren Artikeln erhöhen die Usability. Die URLs der Seiten wurden durch Einsatz der „RealURL“-Extension als „sprechende“ Adressen umgesetzt, was sich bei der Benutzung der Website besonders beim Einsatz assistiver Technologien als hilfreich erweist. Abschließende Tests der Barrierefreiheit gemäß BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) durch das BIK-Team „Barrierefrei Informieren und Kommunizieren“ aus Hamburg und Marburg sowie durch das Fraunhofer-Institut bestätigten das Ergebnis als überdurchschnittlich.
Skalierbare Server-Umgebung
Die Topologie der Serverumgebung wurde in Kooperation mit der net&works GmbH umgesetzt, deren Entwicklung „Live-Production Environment“ zum Einsatz kam. Je nach Szenario können hiermit mehrere Produktions- und Live-Server getrennt werden. Die mitunter für dynamische Seiten des Live-Auftritts benötigten aktualisierten Datenbank-Tabellen werden entweder auf einen zentralen Datenbank-Cluster oder direkt in einzelne Instanzen auf den Live-Servern repliziert. Für Greenpeace wurde das zweite Verfahren gewählt. Die Umgebung ist jederzeit skalierbar. Steigen durch öffentlichkeitswirksamen Aktionen von Greenpeace Zugriffe und Last auf den Live-Servern, können jederzeit weitere Webserver eingebunden werden.
Flexibel in die Zukunft
Greenpeace begreift die neue Plattform nicht als statischen Zustand. Die Organisation will viel ausprobieren und neue Dienste zur Verfügung stellen. Die Generierung von HTML-Seiten aus PDF-Dokumenten soll das Angebot hinsichtlich der Barrierefreiheit abrunden. Der Import von RSS-Newsfeeds aus anderen Unterseiten und deren Export für Websites von Ortsgruppen, „News-to-SMS“-Dienste für Journalisten und die Integration neuer Artikeltypen wie etwa Audio-Inhalten sind nur einige Stichpunkte. TYPO3 bildet dafür das optimale Fundament.
Als erstes Resümee des Projekts mit TYPO3 fasst Roman Mora, Leiter des Projekts in der IT-Abteilung von Greenpeace, zusammen: „In Zeiten immer größerer Konzentration der Medien ist es für uns sehr wichtig Förderer, Sympathisanten und Umweltinteressierte direkt erreichen zu können. Sie müssen schnell und benutzerfreundlich an die Informationen gelangen, die von unseren Gegnern aus Industrie und Politik so gerne unterschlagen werden, etwa die wahren Kosten der Atomenergie oder die verschwiegenen Risiken der Gentechnik. Außerdem hatten wir keine Lust mehr unsere Fördergelder in Form von Lizenzgebühren an die vielen Bill Gates dieser Welt zu geben. Und dann kam TYPO3 – ein System, das es uns ermöglicht schnell, kostengünstig und effektiv die hohen Anforderungen an unsere Online-Kommunikation umzusetzen. Der Wechsel zu einem neuen Content Management System ist in der Regel ein sehr risikobehaftetes Projekt. Mit TYPO3 war es uns möglich diesen Wechsel innerhalb eines recht straffen Projektrahmens erfolgreich vorzunehmen. TYPO3 wird uns die nächsten Jahre sicherlich noch begleiten.“













