Großer Schritt für große Helfer
Asterisk im Einsatz bei der Evangelischen Stadtmission Kiel
Seit über 100 Jahren setzt sich die ev. Stadtmission in Kiel [1] für hilfsbedürftige Menschen ein. Heute sind die 470 Mitarbeiter und rund 100 ehrenamtliche Helfer aktiv in der Altenpflege, Obdachlosenarbeit, Suchthilfe und Psychiatrie in der Region Kiel tätig. Eine kundenorientierte und effiziente Sprach- und Datenkommunikation ist dabei eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Ev. Stadtmission. Dass das hundertste Jahr des Wirkens der Ev. Stadtmission gerade festlich gefeiert wurde, bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch die moderne Bürokommunikation in den derzeit 22 verschiedenen Standorten Einzug gehalten hat. Die Ev. Stadtmission ist mit einem leistungsfähigen Netzwerk ausgerüstet, das durch ein VPN über alle 22 Standorte bereits Voice-over-IP-fähig ist – dies ermöglicht die Telefonie über das Datennetzwerk.
Der Beginn der Suche
Den Anstoß für die Anschaffung gab das Auslaufen des bestehenden Telefonanlagen-Mietvertrages zum Herbst 2004. Schon seit längerem war man bei der Ev. Stadtmission auf der Suche nach einer bezahlbaren Lösung, die erhöhte Flexibilität und Ausbaufähigkeit bietet und dem stetig zunehmenden Administrationsaufwand der Kommunikationsmedien gewachsen ist.
Erkundung nach Alternativen
Da die Zeit drängte, folgten schnell konkrete Maßnahmen: Gemeinsam mit dem Netzwerk-Dienstleister ADDIX informierte sich die Ev. Stadtmission über alternative Lösungen, verglich und prüfte die verschiedenen Angebote und Möglichkeiten der Anbieter auf dem Markt gründlich. Eine der wichtigsten Voraussetzungen war, dass die Mitarbeiter kaum Änderungen in der Benutzung und keine Einbußen in der Sprachqualität wahrnehmen sollten.
Nachdem die Suche bei vorhandenen Anbietern nicht das erhoffte Ergebnis brachte, beschloss man in Zusammenarbeit mit der Firma ADDIX die Umsetzung einer Lösung auf Basis von Asterisk [2], einer Open-Source-Lösung. Zu dieser Zeit hatte die Stadt Pforzheim bereits mehr als 1000 Teilnehmer auf einer asterisk-basierenden Anlage laufen [3]. Innerhalb weniger Wochen konnte eine leistungsfähige Anlage entwickelt werden, die nach verschiedenen Tests und Praxiserprobung ihre Tauglichkeit unter Beweis stellte.
Asterisk – Open Source PBX
Asterisk wurde ursprünglich durch Mark Spencer, Gründer und Inhaber von Digium [4] als Ersatz für klassische Telefonanlagen entwickelt. Die Software läuft unter Linux, BSD und MacOSX und bietet alle Merkmale analoger Nebenstellenanlagen. Neben SIP und H.323 unterstützt Asterisk das IAX Protokoll (InterAsterisk Exchange), das den Vorteil bietet, zur Kommunikation mit Endgeräten oder anderen Asterisk Servern nur einen Port zu benötigen. Endgeräte nahezu aller Hersteller werden direkt unterstützt. Die Anbindung an das PSTN (public switched telephone network) kann sowohl über analoge Einsteckkarten als auch BRI (ISDN) und PRI (Primärmultiplexer) Adapter erfolgen.
Die Lösung
Für die Basisinstallation in der Zentrale der Stadtmission wurde Asterisk auf zwei identischen Linux-Servern installiert und konfiguriert. Für die Verwaltung der Teilnehmer sorgt eine MySQL-Datenbank, welche zugleich die Funktion eines globalen Telefonverzeichnisses übernimmt. Die Server synchronisieren sich ständig, sodass bei einem Ausfall der Hardware die Kommunikation gesichert ist. Die Anbindung an das Telefonnetz erfolgt über ISDN-Anschlüsse mit Junghanns.NET QuadBRI-ISDN-Karten [5]. Für die Mitarbeiter stehen VOIP-Telefone der Firma Cisco und Snom zur Verfügung. Inzwischen wurde das Telefon-System um drei Anlagen erweitert und auf insgesamt 15 Standorte ausgedehnt.
Astimax – das Produkt
Aus der ursprünglichen Einzellösung für die Stadtmission entstand im Laufe der Zeit durch vermehrte Kundenanfragen nach VoIP Astimax [6]. Astimax ist eine in sich geschlossene Telefonanlage auf Basis von Asterisk. Die Verwendung spezieller Hardware stellt die Kompatibilität zu zukünftigen Versionen sicher, ohne weitere Anpassungen vornehmen zu müssen. Neben den Basisfunktionen von Asterisk bietet die Anlage Abrechnungsfunktionalitäten, Funktionen für automatische Anrufverteilung und eine grafische, mehrsprachige Benutzeroberfläche. Astimax eignet sich für Unternehmen oder Callcenter mit bis zu circa 600 Teilnehmern.
VoIP – Sprachkommunikation der Zukunft
Die Sprachdaten werden mittels Voice-over-IP Technologie auf Basis des Internet Protokolls (IP) über das Datennetzwerk transportiert und beim Empfänger entsprechend wieder zusammengefügt. Die Asterisk Software steuert dabei alle Wähl- und Verbindungsvorgänge innerhalb des Netzes und ist zusätzlich wie jede Telefonanlage an einen Anlagen- oder S2M-Anschluss eines Carriers angebunden. Für viele Anwender steht VoIP für Internettelefonie, dennoch müssen die Begriffe getrennt werden. Bei Internettelefonie werden Gespräche über das Internet vermittelt, VoIP steht eigentlich für die Nutzung von Datennetzwerken für Sprachkommunikation. Die Hauptgründe für den Einsatz von VoIP sind die Nutzung einer zentralen Infrastruktur, die Integration in bestehende Applikationen (CTI, etc.) sowie die Anbindung von mehreren Standorten.
Preis-Leistungs-Verhältnis und Investitionssicherheit
Das überzeugendste Argument für die ev. Stadtmission war das Preis-Leistungs-Verhältnis. Durch die neue Anlage konnten die Wartungskosten um fast 80 Prozent gesenkt werden. Alle Funktionen können vor Ort durch die IT-Abteilung selbst aktiviert werden.
Bei Umzügen oder der Einstellung neuer Mitarbeiter ist nun kein Technikereinsatz mehr notwendig. Für jeden Arbeitsplatz kann zwischen verschiedenen Endgeräten und Herstellern gewählt werden. Auch vorhandene, analoge Endgeräte lassen sich durch IP-Analog-Wandler (ATA) einbinden. Die Verbindung zu Türsprechsystemen der Firma Siedle ist ebenfalls gewährleistet.
Fazit
Der Einsatz von Asterisk ermöglicht kostengünstige und skalierbare VoIP-Telefonanlagen mit Leistungsmerkmalen, die nur von wesentlich teureren herkömmlichen Anlagen abgebildet werden können. Dem Einsatz als Ersatz für eine klassische Telefonanlage steht nichts im Wege.























