Komfortable Medienverwaltung

Digital Asset Management mit TYPO3

Ein häufiges Problem: Man sucht eine bestimmte Datei auf seinem Arbeitsplatzrechner, findet sie jedoch nicht. Wie hieß die Datei? Handelt es sich um ein JPEG- oder TIFF-Bild? In welchem Verzeichnis liegt die Datei? Eine einfache Dateisuche hilft hier nicht in jedem Fall weiter und die Suche wird mitunter langwierig.

Für eine Website gilt Ähnliches. Sollen mediale Inhalte wie Bilder, Videos oder Download-Dateien, so genannte Assets, mehrfach verfügbar gehalten werden, sollte im Dateisystem eine sinnvolle Verzeichnisstruktur angelegt werden. Eine weitere Kategorisierung ist hier nicht möglich.

Die TYPO3-Extension „DAM“ soll hier Abhilfe schaffen und darüber hinaus einige neue und nützliche Funktionen für den Umgang mit Dateien bereitstellen. Letztlich sollen alle Dateioperationen in TYPO3 integriert und somit das Standard-Dateimodul ersetzt werden.

Das Media>Liste Modul mit dem Submodul Vorschaubilder.

Das Media>Liste Modul mit dem Submodul Vorschaubilder.

Zurzeit ist eine Beta Version des DAM im Extension Repository verfügbar und kann mit dem Extension Manager in ein TYPO3-System ab Version 3.8 installiert werden. Die einzelnen Extensions des Basissystems sind:

  • Media (DAM) (dam)
  • Media>File (dam_file)
  • Media>Indexing (dam_index)

Zusätzliche Funktionen lassen sich durch folgende Extensions bereitstellen:

  • Media>Categories (dam_catedit)
  • Media>Info (dam_info)
  • Content/DAM reference usage (dam_ttcontent)

Außerdem sollte man die für die Indexierung notwendigen Services vom Typ metaExtract, textExtract und gegebenenfalls auch textLang installieren.

Das DAM wird unter der Bezeichnung Media als zusätzliches Hauptmodul in das Backend integriert. Darüber hinaus stellt das DAM-Modul zahlreiche integrierte Funktionen zur Verfügung die in anderen Backend-Modulen, wie etwa der Listen- oder der Info-Ansicht, zur Verfügung stehen. Die einzelnen Funktionen sind über Reiter verfügbar. Eigene Extensions können das DAM erweitern und neue Funktionen in das Backend-Modul integrieren.

Metadaten sind der Schlüssel

Um mehr Such- und Auswahlmöglichkeiten auf Dateien bieten zu können, verwaltet das DAM Dateien mit zusätzlichen beschreibenden Daten wie Stichworten, Datumsangaben, Ausmaßen oder Textauszügen. Eben diese Metadaten in Kombination mit zusätzlicher Kategorisierung bieten Möglichkeiten zur Auswahl und Organisation der Assets, die eine einfache Verwaltung in Dateiverzeichnissen nicht bieten kann.

Zu jeder Datei werden Metadaten verwaltet die angezeigt und bearbeitet werden können.

Zu jeder Datei werden Metadaten verwaltet die angezeigt und bearbeitet werden können.

Die Metadaten werden entweder gleich beim Upload der Dateien oder mithilfe des Moduls zur Massenindexierung angelegt, wobei man Datenfelder vorbesetzen kann, die dann für alle indexierten Dateien übernommen werden. Darüber hinaus stehen Indexierungsregeln zur Verfügung, die beispielsweise Metadaten aufbereiten oder Dateien anhand von Kriterien in bestimmte Kategorien einordnen.

Das DAM bedient sich außerdem so genannter Services um Metadaten aus Dateien auszulesen. So gibt es zum Beispiel Services, die EXIF- und IPTC-Daten aus Bilddateien auslesen können. Andere Services erzeugen einen Textauszug aus PDF, DOC, HTML und weiteren Dateitypen, der im DAM gespeichert und später durchsucht werden kann. Ein weiterer Service erkennt automatisch die Sprache eines Textes. Solche Services können in eigenen Extensions bereitgestellt werden und integrieren sich automatisch in das DAM.

Metadaten einer PDF-Datei mit Textauszug und automatisch erkannter Sprache.

Metadaten einer PDF-Datei mit Textauszug und automatisch erkannter Sprache.

Durch die Verwendung von Services und Indexierungsregeln können eigene Workflows implementiert werden. Beim Relaunch von greenpeace.de [1] wurde beispielsweise ein modifizierter IPTC-Service verwendet der speziell formatierte Daten vorverarbeitet. Eine zusätzlich erstellte Indexierungsregel sortiert die Dateien anschließend automatisch in Kategorien und legt diese auch selbstständig an, sofern sie noch nicht existieren.

Leider bieten bei weitem nicht alle Dateitypen die Möglichkeit Metadaten einzubetten. Häufig sind die vorgesehenen Felder für Metadaten auch nicht besonders nützlich. Gerade das weit verbreitete PDF-Format bietet nur wenige Informationen. Abhilfe könnte hier das XMP-Format schaffen. XMP verwendet XML zur Beschreibung von Metadaten und kann in diverse Dateiformate, darunter auch PDF, integriert werden. Ein entsprechender Service zur Übernahme von XMP-Daten ist geplant.

Wer auswählt der findet

Mithilfe des DAM lassen sich Assets wesentlich besser auffinden und sind somit leichter auswählbar. Durch die für jede Datei zur Verfügung stehenden Metadaten lässt sich dies mit einer Suchfunktion schon sehr viel besser erreichen als es mit dem Datei-Modul möglich ist. So können etwa Stichworte und Beschreibungen durchsucht werden um eine Datei zu finden.

Die DAM-Extension wendet aber ein weit mächtigeres Konzept an. Im Navigationsframe werden gleichzeitig Auswahlbäume für Datei-Verzeichnisse, Kategorien und Medientypen angezeigt. Mit einem Klick auf den Titel eines Elements wird, je nach Modul, eine Liste der Dateien angezeigt, auf die das gewählte Kriterium zutrifft. Hierbei werden auch die Unterkriterien mit einbezogen. Bei der Auswahl eines Dateiverzeichnisses werden nicht nur die Dateien in diesem Verzeichnis, sondern auch die in seinen Unterverzeichnissen angezeigt.

Hinter den einzelnen Elementen befinden sich zusätzlich die Icons „+“, „=“ und „-“. Mithilfe dieser Icons ist es möglich mehrere Kriterien auszuwählen und zu kombinieren. Eine Auswahl kann außerdem um eine Textsuche erweitert werden, wobei einzelne Dateien auch wieder von der Auswahl entfernt werden können. So lassen sich auf einfache Weise Auswahlregeln erzeugen und die gewünschten Assets zusammenstellen.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Gewünscht sind Dateien, die der Kategorie „Projekt A“ zugeordnet sind, aber nicht im Verzeichnis „press/“ liegen. Außerdem soll die Auswahl nur TIFF-Bilder und PDF-Dateien enthalten. Zunächst wird mit dem Klick auf den Titel „Projekt A“ eine neue Auswahl mit dieser Kategorie erzeugt. Das Verzeichnis „press/“ wird von der Auswahl ausgespart indem auf das Minus-Icon geklickt wird. Zusätzlich wird mit dem Icon „=“ die Auswahl der Mediatypen auf „text/pdf“ und „image/tiff“ beschränkt.

Die Funktionen der Icons beziehungsweise des Titels sind wie folgt:

  • Titel: neue Auswahl mit diesem Kriterium beginnen
  • „+“-Icon: Auswahl um dieses Kriterium erweitern (oder)
  • „=“-Icon: Auswahl muss auch diesem Kriterium entsprechen (und)
  • „-“-Icon: Auswahl soll diesem Kriterium nicht entsprechen (nicht)

Das Besondere an solchen Auswahlregeln ist, dass sich der Nutzen potenziert je mehr Metadaten vorhanden sind. Diese Metadaten werden entweder aus den Dateien übernommen oder müssen von Hand eingegeben werden. Hierbei kann wiederum eine Auswahl genutzt werden. Hat man eine Auswahl zusammengestellt, können die Metadaten aller gewählter Dateien mit dem Bearbeiten-Modul auf einmal verändert werden. Dabei ist es beispielsweise möglich weitere Stichworte zu den schon vorhandenen hinzuzufügen. Durch geschickte Auswahlen lassen sich Metadaten in kurzer Zeit effektiv anreichern.

Assets verwenden

Mit dem Bearbeiten-Modul wird ein Wort zu den Metadaten der Auswahl hinzugefügt.

Mit dem Bearbeiten-Modul wird ein Wort zu den Metadaten der Auswahl hinzugefügt.

Die neuen Auswahlmöglichkeiten sollen natürlich auch zur Verfügung stehen wenn Assets in Inhaltselemente eingefügt werden. Dies geschieht in TYPO3 normalerweise mit dem Element-Browser. Das DAM bietet momentan eine abgespeckte Einbindung in den Element-Browser an, die in kommenden Versionen noch verbessert werden soll. Die Auswahlbäume können lediglich zum Finden von Assets verwendet werden. Außerdem ist eine einfache Suche über die Metadaten integriert.

Assets als Referenzen

Die Kategorien des DAM sind auch im Element-Browser zur Auswahl verfügbar.

Die Kategorien des DAM sind auch im Element-Browser zur Auswahl verfügbar.

TYPO3 bindet Dateien in Seiten beziehungsweise Inhaltselemente ein indem Kopien der Dateien im Verzeichnis „uploads/“ erzeugt werden. Verwendet man ein Bild fünfmal auf einer Website werden auch fünf Kopien angelegt; die Originaldatei wird gar nicht mehr benutzt. Dieses Vorgehen hat den großen Vorteil, dass TYPO3 beim Rendern der Webseite das Bild auch dann vorfindet, wenn die Originaldatei gelöscht oder umbenannt wurde.

Allerdings ergeben sich daraus auch einige Nachteile. Einerseits wird unnötig viel Speicherplatz verbraucht – heutzutage allerdings ein eher geringes Problem. Ein weitaus größerer Nachteil ist, dass sich sämtliche Kopien eines mehrfach verwendeten Assets nur mühsam auffinden und austauschen lassen.

Das DAM bietet die Möglichkeit Dateien als Referenz einzubinden. Normale Inhaltselemente können jedoch mit solchen Referenzen nicht umgehen. Auch der TYPO3-Kern muss daher angepasst werden. Diese Anpassungen können bei der Installation des DAM im Extension-Manager aktiviert werden. Die Extension „Content/DAM reference usage“ (dam_ttcontent) stellt diese Funktionalität für Inhaltselemente bereit. Zwar ist die Funktion noch experimentell, wird aber so oder in ähnlicher Form in der Version 4.0 von TYPO3 zur Verfügung stehen.

Eigene Erweiterungen und Anwendungen

Wie bereits erwähnt ist das DAM dafür vorbereitet durch eigene Extensions erweitert zu werden. Die Extension „Media: demo extension“ (dam_demo) demonstriert diese Möglichkeiten und dient als Beispiel für eigene Erweiterungen.

Neue Auswahlbäume und Metadatenfelder können durch eigene Extensions eingefügt werden.

Neue Auswahlbäume und Metadatenfelder können durch eigene Extensions eingefügt werden.

Durch Services können neue Indexierungsfunktionen hinzugefügt werden. Außerdem sind alle DAM-Submodule durch eigene Funktionen erweiterbar. Jede dieser Komponenten ist austauschbar und kann so an eigene Bedürfnisse angepasst werden.

Für die Entwicklung von Plugins, wie zum Beispiel Bildergalerien, ist in der nächsten Beta-Version eine Schnittstelle vorgesehen. Zwar lassen sich schon jetzt Anwendungen auf der Basis des DAM entwickeln indem man die Datenbank direkt abfragt, eine API wird dies jedoch vereinfachen und den Zugriff vereinheitlichen, um später Neuerungen problemlos einführen zu können.

Ausblick

Auch wenn das DAM bereits vielfach im Produktiveinsatz verwendet wird ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Auf den DAM-Projektseiten [2] auf typo3.org kann man sich über den aktuellen Stand, die Roadmap und angedachte Funktionen informieren. Zusätzlich ist auch eine Projekt-Mailingliste verfügbar.

Ziel der Entwicklung ist es, die Version 1.0 des DAM als System-Extension der TYPO3-Version 4.0 mitzuliefern und zum integralen Bestandteil von TYPO3 zu machen. Dafür sind unter anderem folgende Funktionen geplant:

  • Datei-Modul mit DAM-Support
  • API für Plugins und andere Anwendungen
  • Auto-Indexierung von Dateien
  • Cronjob-Script zur Indexierung/als Konfigurationsmodul
  • Unterstützung mehrsprachiger Metadaten
  • Unterstützung von Versionierung für Metadaten
  • erweiterter Element-Browser

Darüber hinaus gibt es einige Features die für spätere Versionen geplant sind. So soll ein neues Formularelement das Einfügen von Bildern in Inhalte komfortabler gestalten und beispielsweise die automatische Übernahme von Bildunterschriften aus dem DAM bieten. Weitere geplante Funktionen sind Bildbearbeitungsmöglichkeiten oder ein Leuchttischmodul, mit dem ausgewählte Dateien zur späteren Verwendung vorgemerkt werden können. Mit dem Leuchttisch können ausgewählte Dateien mit anderen Benutzern ausgetauscht werden um den Workflow einer Bildredaktion zu unterstützen.

Schöne neue Metadatenwelt

Der generelle Umgang mit Dateien soll durch das DAM vereinfacht werden ohne dabei die gewohnte Arbeitsweise mit dem Dateisystem aufgeben zu müssen. Neue Funktionen, die mit einer datenbankbasierten Dateiverwaltung mit Metadaten erst möglich werden, bringen Redakteuren und Entwicklern wesentlichen Zusatznutzen. Auch wenn das DAM für große Datenmengen entwickelt wurde ist es durch die Zusatzfunktionen, die mit dem System zur Verfügung stehen, auch für kleinere Websites interessant.

DAM-ähnliche Funktionen finden auch in Desktop-Betriebssystemen immer mehr Einzug. Durch einheitliche Standards wie Dublin Core und XMP wird der Umgang mit Metadaten immer selbstverständlicher. Auch der generelle Umgang mit Dateien wird sich in Zukunft vermutlich verändern. Das DAM will sich möglichst nahtlos in diese „Metadatenwelt“ integrieren und für TYPO3 neue innovative Funktionen bereitstellen.

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