Offen für alle Gruppen
Teamarbeit mit dem Open-Xchange Server
Gerade im Bereich der persönlichen Kommunikation und Organisation ist die Zahl der OpenSource-Lösungen beinahe unüberschaubar. Aus der Masse der E-Mail-Clients, Kalender und Kontakt-Verwaltungen die richtigen herauszupicken und sie zu einem einfach bedienbaren Produkt für vernetzt arbeitende Gruppen zu vereinen, ist keine leichte Aufgabe. Open-Xchange hat sich dieser Herausforderung erfolgreich gestellt. Wie viele andere OpenSource-Projekte entstand auch der Open-Xchange Server [1] aus einem aktuellen Bedürfnis heraus.
Bereits 1998 hatte die damalige Netline Internet Service GmbH die Idee einer Browser-basierten Lösung, mit deren Hilfe die eigenen Mitarbeiter Zugriff auf E-Mail, Kalender und Adressbücher auch ohne den Einsatz spezieller Client-Software erhalten sollten. Dass auch im Markt Bedarf für eine derart integrierte Lösung bestand, zeigten die schnell eintreffenden Anfragen von Kunden, die das System auch bei sich einsetzen wollten. Dazu war jedoch die Entwicklung einer zentralen Verwaltungsoberfläche unerlässlich. Man entschied sich daher ein System zu konzipieren, das wie eine Black Box die verschiedenen unter Linux verfügbaren Dienste integriert, ohne dass sich der Anwender darum kümmern muss, welche Services sich nun genau unter der Haube befinden.
Kernstück war damals der Netline Application Server, eine in Java entwickelte Web-Anwendung zum Management der einzelnen Komponenten. Im Jahr 2000 wurde das inzwischen auf den Namen ComFire getaufte Produkt zusammen mit Compaq auf der CeBIT vorgestellt, wo es das Interesse der SuSE Linux AG erregte. Schon ein Jahr später erschien mit dem SuSE Linux Openexchange Server, kurz SLOX, das erste vollwertige Groupware-Bundle als rein kommerzielles Produkt für Linux. Deutlich günstiger als vergleichbare Lösungen aus dem Windows-Umfeld konnte es sich schnell einen Teil des Groupware-Markts sichern. Doch mit dem Kauf der SuSE Linux AG durch Novell war absehbar, dass die Tage des SLOX gezählt waren. Mit Groupwise besitzt Novell schließlich eine eigene, etablierte Groupware-Linie, zu deren Gunsten der SUSE Linux Openexchange Server eingestellt wurde.
Die Wende
Für die Netline GmbH stellte sich also die Frage nach einer tragfähigen Strategie für die Zukunft. Man entschied sich für einen in Deutschland recht unkonventionellen Weg: Wenn schon der gesamte Unterbau aus OpenSource-Software besteht, warum nicht auch das eigene Produkt als OpenSource anbieten? Die im August 2004 getroffene Entscheidung, genau das zu tun, wurde von der bereits vorhandenen Fan-Gemeinde sehr gut aufgenommen. Für die freie Version 0.8 des Open-Xchange Servers verzeichnet das inzwischen in Open-Xchange umbenannte Unternehmen mittlerweile rund 10.000 Downloads. Eine für die Komplexität der Anwendung beachtliche Zahl. Dass die Community auch in anderen Bereichen aktiv ist, belegen die inzwischen knapp 30 Installationsanleitungen, die so gut wie alle Gegebenheiten abdecken.

Dank des übersichtlichen Web-Interfaces hat der Open-Xchange-Anwender stets alle wichtigen Informationen im Blick.
Monatlich rund 130.000 Besucher auf der Website www.open-xchange.org belegen das ungebrochen hohe Interesse an der, und auch den Bedarf für die integrierte Groupware-Lösung.
Parallel zum OpenSource-Produkt ist mit dem Open-Xchange Server 5 [2] ein kommerzielles Produkt verfügbar. Im Vergleich zu der frei verfügbaren Variante bestehen vor allem zwei Unterschiede: Zum einen ist im Kaufpreis nicht nur ein einjähriger Update-Service, sondern auch eine fünfjährige Wartungs-Garantie enthalten. Unternehmen können sich also darauf verlassen, dass die gekaufte Lösung auch über einen längeren Zeitraum hinweg gepflegt wird. Zum anderen ist der Open-Xchange Server 5 auf die Zusammenarbeit mit den Enterprise-Linux-Angeboten von Red Hat und SuSE zugeschnitten. Auf diesen Systemen eingerichtet, sorgt der integrierte Installer dafür, dass die benötigten, distributionsspezifischen Grund- und Zusatzpakete automatisch eingerichtet werden.
Im Vergleich zu der OpenSource-Variante, bei der einige Vorarbeiten notwendig sind, ist das eine erhebliche Erleichterung und sorgt für eine deutlich schnellere Einsatzfähigkeit des Produkts. Zudem profitieren die Anwender von der Produktpflege, die Red Hat und SuSE ihren Enterprise-Umgebungen angedeihen lassen. Dank der speziellen Bundles, in denen neben dem Open-Xchange Server 5 gleich das jeweilige Enterprise-Linux enthalten ist, können Kunden sogar alles komplett aus einer Hand beziehen. Mit Preisen ab 299 Euro für die Fünf-Benutzer-Version ohne Betriebssystem, bis hin zu 1.250 Euro für die Advanced-Server-Variante inklusive SUSE Linux Enterprise Server 9 und 25 Nutzerlizenzen, ist die kommerzielle Version immer noch deutlich billiger als entsprechende Produkte für die Windows-Welt. Selbst die Erweiterung um zusätzliche Lizenzen fällt mit 25 Euro je Arbeitsplatz vergleichsweise günstig aus.
Der OpenSource-Unterbau
Wer sich nicht scheut, selbst Hand anzulegen, kann sich seine Groupware-Lösung mit dem Open-Xchange Server 0.8 auch in Eigenregie erstellen [3]. Dazu werden der Webserver Apache, eine Servlet-Engine wie zum Beispiel Tomcat, eine Datenbank – bevorzugt PostgreSQL – und ein Directory-Server wie OpenLDAP benötigt. Zusätzlich sind noch ein Mail-Server, idealerweise Postfix, sowie ein POP3/IMAP-Dienst wie Cyrus einzurichten. Auf diesen bekannten und bewährten Produkten setzt anschließend der Open-Xchange Server 0.8 auf und stellt seine umfangreichen Groupware-Funktionen zur Verfügung. Das sind im Einzelnen:
- E-Mail-Server für mehrere Domains
- Mail-Zugriff für Clients per POP3 und IMAP
- integrierter, regelbasierter Mail-Filter
- private/öffentliche Kalender, Adressbücher und Ordner
- Terminverwaltung
- Projektverwaltung mit integrierter Mitglieder-, Ressourcen- und Dokumentverwaltung
- Diskussionsforum
Die große Besonderheit dabei ist, dass der Open-Xchange Server alle Funktionen, mit Ausnahme des Forums, gleichermaßen gut über das eigene Web-Interface wie auch in Verbindung mit den diversen Clients für einzelne Funktionen, anbietet. Sei es die Verwaltung von E-Mails, das Management privater und globaler Adressbücher oder die Pflege von Terminen bis hin zur Nutzungsplanung von Ressourcen: Alle Aufgaben lassen sich sowohl per Browser, als auch per standardkonformer Software erledigen. Die Betonung liegt hierbei auf der Unterstützung von Standards. So sind die Kalender über das iCal-Protokoll abrufbar, Adress-Informationen stellt der Open-Xchange Server per LDAP zur Verfügung.
Sonderfunktionen und OXtender
Dies gilt auch für die implementierten Sonderfunktionen, die die möglichen Einsatzgebiete erheblich erweitern. So lassen sich über das integrierte Pinboard Nachrichten von allgemeinem Interesse an alle Anwender verteilen. Spezielle Projektverzeichnisse mit eigenen Benutzergruppen ermöglichen eine Kollaboration von Teams an unterschiedlichen Standorten oder die einfache Integration von Mitarbeitern im Home-Office. Dabei besteht nicht nur die Möglichkeit, im Projektverzeichnis gemeinsam genutzte Dokumente zu hinterlegen. Jedem Projekt können genutzte Ressourcen, Adressen wichtiger Ansprechpartner und andere Informationen zugeordnet werden, um so alle Daten zentral an einer Stelle griffbereit vorzuhalten.

Besprechungen mit mehreren Teilnehmern und den üblichen Zu- und Absagen lassen sich mit dem Open-Xchange Server komfortabel verwalten.

Das Web-Interface vernetzt die einzelnen Applikationen und erlaubt beispielsweise die Adressübernahme aus dem globalen Adressbuch in eine neu erstellte E-Mail.
Über den per WebDAV realisierten Zugriff ist es zudem möglich, die parallele Bearbeitung eines Dokuments durch zwei Nutzer zu verhindern. Sobald ein Anwender das Dokument ausgecheckt hat, können die anderen Projektmitglieder solange keine Änderung an der im Projektverzeichnis liegenden Vorlage mehr vornehmen, bis der Bearbeiter seine neue Version einspielt.
Vorwiegend den Nutzern der kommerziellen Version vorbehalten sind die für den Open-Xchange Server verfügbaren Erweiterungen, die so genannten OXtender. Unter diesen findet sich beispielsweise ein SyncML-Modul, das den Abgleich von Kontakten, Terminen und Aufgaben zwischen dem OX-Konto und einem SyncML-fähigen Mobiltelefon gestattet. Gleiches gilt für den Palm-OXtender, der die Brücke zwischen dem Open-Xchange Server und Palm Handhelds sowie Smartphones schlägt.
Integrationsvorteil
Bei diesem Funktionsumfang braucht sich der Open-Xchange Server nicht vor etablierten Groupware-Lösungen wie Exchange von Microsoft oder Lotus Domino von IBM verstecken. Im Vergleich zu diesen hat der Open-Xchange Server einen entscheidenden Vorteil: Während die Produkte von IBM und Microsoft ihre Leistungsfähigkeit nur in Verbindung mit den speziellen Fat-Clients Outlook und Lotus Notes ausspielen können, bietet der Open-Xchange Server dem Anwender die größtmögliche Flexibilität. Ob in der mit Power Macs arbeitenden Grafik-Abteilung, der mit Windows-Rechnern ausgerüsteten Buchhaltung oder der mit Linux-PCs bestückten IT-Abteilung: dank der standardisierten Schnittstellen lassen sich nahezu alle Funktionen mit kostenlos oder günstig erhältlicher Software nutzen. So sind beispielsweise die in Mac OS X oder unter KDE sowie GNOME verfügbaren Mail-, Adress- und Terminverwaltungen in der Lage, direkt mit dem Open-Xchange Server zu kommunizieren.
Über eigene, separat zu lizenzierende OXtender lässt sich sogar Outlook nahtlos in eine auf dem Open-Xchange Server basierende Groupware-Umgebung integrieren. Gleiches gilt für den unter Linux weit verbreiteten Personal Information Manager Evolution. Auch für diesen existiert ein spezieller OXtender, der die Integration vereinfacht. Wer vor dem Hintergrund der Support-Problematik auch über mehrere Rechner-Architekturen hinweg eine weitgehend einheitliche Software-Landschaft realisieren möchte, kann auch ohne OXtender glücklich werden, indem er auf die Produkte Firebird und Thunderbird der Mozilla Foundation zurückgreift. Ähnlich große Flexibilität ist auf dem Markt derzeit wohl nicht zu finden.
Da es sich bei den über Groupware verwalteten Daten in der Regel um sensible Informationen handelt, bietet der Open-Xchange Server Mechanismen zu deren Schutz. Auf Seite des Web-Interface sind dies Secure Socket Layer (SSL) und Transport Layer Security (TLS), die beide über Zertifikate realisiert werden. Diese können auch bei der Anbindung von Clients zum Einsatz kommen, wo sie der Verschlüsselung der Kommunikation dienen und die übermittelten Daten auf diesem Weg nach aktuellem Stand der Technik abhörsicher machen. Der limitierende Faktor ist dabei die Unterstützung der jeweiligen Technik auf der Seite des Clients. Mittlerweile sind aber alle weiter verbreiteten Produkte in der Lage, mit Zertifikaten umzugehen.
Auf dem Weg in die Zukunft
Mit dem gebotenen Funktionsumfang ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die Entwickler arbeiten bereits intensiv an den Verbesserungen, die in die nächsten Versionen einfließen sollen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Einsatz in verteilten Umgebungen. Ganz besonders weit oben auf der Liste der noch zu implementierenden Funktionen stehen dabei die Trennung zwischen Web-Interface und Backend-Server sowie eine Datenreplikation zwischen mehreren Servern. Einmal realisiert, sorgen diese beiden Punkte für eine deutlich bessere Skalierbarkeit und eine höhere Datensicherheit. Spätestens mit der Einführung dieser Features schließt der Open-Xchange Server die letzte Lücke, die ihn noch von den beiden marktbeherrschenden Systemen trennt.

Neben den Standardverfahren bietet der Mailfilter des Open-Xchange Server den Einsatz regulärer Ausdrücke an.
Zusätzlich arbeiten einige Teams daran, dem Open-Xchange Server Funktionen zu spendieren, die weit über das eigentliche Groupware-Konzept hinausgehen. So ist beispielsweise denkbar, die bereits vorhandene Verwaltung der Groupware-Nutzerkonten per LDAP auch zum Management eines Samba-Servers heranzuziehen. So gerüstet könnte der Open-Xchange Server durchaus eine Alternative zu Windows Server 2003 darstellen – die nötige Leistungsfähigkeit bringt Samba bereits mit. Auch auf den immer stärker in den Markt drängenden Appliances auf Linux-Basis würde sich der Open-Xchange Server sicher gut machen.
Dass der Open-Xchange Server bereits jetzt eine für viele Anwendungsfälle mehr als ausreichende Leistung bietet, beweisen Kunden wie ARS Altmann, das Zentralkrankenhaus Lausanne mit immerhin über 7.000 Anwendern, der Bund deutscher Kriminalbeamter und nicht zuletzt die Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen.













