OpenOffice 2.0

Die umfangreiche Office-Suite für alle wichtigen Betriebssysteme

Und dabei ist der Funktionsumfang von OpenOffice schon erstaunlich: Verfügt es doch über die Hauptmodule Textverarbeitung (Writer), Tabellenkalkulation (Calc), Präsentation (Impress), Vektorzeichnungsprogramm (Draw) sowie dem neuen Base-Modul, ein komfortables Frontend für Datenbanken inklusive einer integrierten, eigenen Datenbank-Engine, der Java-basierenden HSQL-Datenbank. Vervollständigt wird der Funktionsumfang mit den Hilfsmodulen Formeleditor (zur Erstellung von mathematischen/wissenschaftlichen Formeln), HTML-Editor, Globaldokumente sowie einer Basic-IDE zum Verwalten von Makros und eigenen Dialogen mit der eingebauten Scriptsprache OOo Basic. Die OpenOffice-Suite stellt somit alle Funktionalitäten bereit, die man üblicherweise im Büro oder zu Hause für die tägliche Arbeit benötigt – Mehr „Office“ ist meist nicht nötig. So zeigen zum Beispiel Untersuchungen, dass der normale Nutzer nur circa 20 Prozent der eingebauten Funktionen eines Office-Programms überhaupt verwendet und von anderen nicht einmal weiß, dass sie im Liefer- und/oder Funktionsumfang enthalten sind.

Die Auswahl einer Office-Suite hängt weniger von der gebotenen Vielfalt eingebauter Features als vom „Bauchgefühl“ ab. Eine bereits bekannte Oberfläche oder Funktionsanordnung wird als angenehmer empfunden, als sich völlig neu zu orientieren. Auch hier kann das neue OpenOffice 2.0 deutlich punkten: Findet der gelernte oder erfahrene Office-Anwender doch ein sehr ähnliches und funktionales Layout und eine durchdachte Menüführung wieder, die Vergleiche mit dem aktuellen Marktführer kaum zu scheuen braucht. Dem Ein- oder Umstieg steht also nichts im Wege.

Besonders benutzerfreundlich und marktnah erweisen sich zudem die vielen Filterfunktionen, mit denen es unter anderem möglich ist, die am häufigsten verwendeten Office-Dokumentenformate (.doc, .xls und .ppt) direkt zu lesen und auch zu schreiben. Dies erleichtert den Dokumentenaustausch mit Kollegen, Freunden, Kunden und Lieferanten enorm, wobei das OpenOffice-eigene Dokumentenformat grundsätzlich die bessere Wahl wäre, könnten es die Wettbewerbsprodukte ebenfalls lesen. In OpenOffice kommt erstmals das OpenDocument-Dateiformat zum Einsatz, ein XML-basiertes, standardisiertes Speicherformat, welches von der OASIS Kommission als Industriestandard für Office-Dokumente vorgeschlagen wurde.

Writer – die universelle Textverarbeitung

Die wohl wichtigste Anwendung im Büro und zu Hause ist sicherlich die Textverarbeitung, ein Programm zum Erstellen, Formatieren und Gestalten von Schriftstücken. Die Anforderungen an heutige Textverarbeitungsprogramme sind ohne Frage deutlich anspruchsvoller als dies vor vielen Jahren noch für die Schreibmaschine galt. So verschwimmen bereits die Grenzen zwischen Textverarbeitung und Satz-Layout-Programm.

Mit dem Writer lassen sich Bilder bequem zwischen Textspalten positionieren.

Mit dem Writer lassen sich Bilder bequem zwischen Textspalten positionieren.

Der Nutzer will die Ergebnisse direkt auf dem Bildschirm sehen und weiß in der Regel auch mit Tabellen, eingebetteten Bildern und Grafiken, Spaltentexten, typografischen Elementen, Kopf- und Fußzeilen, Aufzählungen und vielen weiteren Möglichkeiten sicher umzugehen. Entscheidend ist somit nicht das „ob“, sondern das „wie“. Hier glänzt OpenOffice 2.0 durch einfache Handhabung und direkte Möglichkeiten der Platzierung, durch ausgefeilte Tabellenfunktionalitäten inklusive Tabellen in Tabellen und der durchgängigen Möglichkeit, Formatierungen sehr bequem über Formatvorlagen zu verwalten und zu organisieren.

Das Konzept der „weichen“ Formatierung hat den Vorteil, auch in umfangreichen Dokumenten sehr schnell und effizient Layoutänderungen vornehmen zu können. Hierfür wird lediglich die Formatvorlage geändert – zum Beispiel eine spezielle Zeichenvorlage (wie Farbe, Position oder Schriftart) – und schon ändern sich einheitlich alle auf dieser Vorlage basierenden Zeichen. Es entfällt die mühsame Suche über den gesamten Text und die manuelle Änderung jeder einzelnen Fundstelle. Abgerundet wird eine jede Textverarbeitung durch entsprechende Zusatzprogramme, die das Leben als „Schriftsteller“ vereinfachen, wozu auch eine wirkungsvolle Rechtschreibprüfung mit Thesaurus und Grammatik-Check gehört. Und hier zeigen sich erstmalig die Nachteile eines OpenSource-Programms: Weil OpenOffice unter der „GNU Lesser General Public License“ (LGPL) steht, die deutschsprachige Rechtschreibprüfung (genauer gesagt die erforderlichen Wörterbücher) aber unter der „GNU General Public License“ (GPL), wird sie nicht automatisch mit installiert. Beide Lizenzmodelle lassen sich nicht vermischen, insofern muss der Benutzer die gewünschten Wörterbücher separat nachinstallieren – ein Arbeitsgang, der aber mit Hilfe eines Assistenten schnell und problemlos ausführbar ist. Und da OpenOffice eine immer größere Marktdurchdringung beschieden ist, gibt es inzwischen auch professionelle Rechtschreibprüfung-Plug-Ins, wie etwa vom Brockhaus/Duden-Verlag, sodass dem korrekten Schreiben nichts mehr im Wege steht. Bleibt ein letztes „Highlight“ des rundum gelungenen Moduls zu erwähnen: der direkte PDF-Export. Bereits in der Vorversion glänzte OpenOffice mit diesem Feature, in Version 2.0 wurde der Export erneut verbessert und mit diversen Einstellmöglichkeiten versehen. Jetzt werden auch Hyperlinks und Formularfunktionen korrekt exportiert und die Qualität eingebetteter Bilder lässt sich stufenlos beeinflussen.

Calc – Tabellenkalkulation vom Feinsten

Neben der Textverarbeitung spielen auch Tabellenkalkulationsprogramme im Büroalltag eine wesentliche Rolle. Die Hauptaufgabe besteht in der Darstellung und Verarbeitung von Zahlenmaterial, möglichst einfach und automatisiert. Mit mehr als 400 eingebauten Formeln und Funktionen, optionalen Assistenten und kontextsensitiver Hilfe, einem „Datenpiloten“ und einem „Detektiv“ zum Aufspüren und Sichtbarmachen von Abhängigkeiten, umfangreichen Formatierungsmöglichkeiten von Zahlen und Zellen und der Variante, mit Formatvorlagen zu arbeiten, bietet „Calc“ alles, was eine Tabellenkalkulation benötigt. Der Nutzer muss „nur“ alles richtig anwenden. Allein die Größe eines einzelnen Tabellenblatts von maximal 256 Spalten und 65.536 Zeilen lässt schon erahnen, was alles machbar wäre – hätte man nur genug Daten. Erwähnenswert ist zudem die Möglichkeit, individuelle Berechnungen auch sehr komplexer Art zu automatisieren und zu individualisieren. Hierfür steht die eingebaute Scriptsprache „OpenOffice Basic“ zur Verfügung, mit deren Hilfe dank der eingebauten Entwicklungsumgebung (Basic-IDE) schnell umfangreiche Anwendungen mit eigenen Dialogmasken und Abfragefenstern entstehen können. Wer die Ergebnisse der Berechnungen grafisch darstellen möchte, kann auf das integrierte Diagramm-Modul zurückgreifen und anschauliche Torten-, Linien- oder Balkendiagramme erstellen.

Komplexe Tabellen inklusive grafischer Darstellung ermöglicht das Calc-Modul.

Komplexe Tabellen inklusive grafischer Darstellung ermöglicht das Calc-Modul.

Impress – damit Ihre Präsentation Eindruck macht

Keine Office-Suite besteht heute ohne die Möglichkeit eine Bildschirm-Präsentation zu erstellen. Auch hier gibt es einen Marktführer: Powerpoint. Dabei gibt es Alternativen: OpenOffice Impress beweist dies eindringlich. Einfach zu bedienen, schnell zu Ergebnissen kommen, mit umfangreichen Möglichkeiten zur Seiten- oder Objekt-Animation – und fertig ist die benötigte Präsentation.

Impress, das OpenOffice-Pendant zu Powerpoint, bietet umfassende Möglichkeiten zum Erstellen von ansprechenden Präsentationen.

Impress, das OpenOffice-Pendant zu Powerpoint, bietet umfassende Möglichkeiten zum Erstellen von ansprechenden Präsentationen.

Selbstverständlich können Hintergrundbilder und Vorlagen definiert und eingebunden, umfangreiche Präsentationen segmentiert und fallweise unterschiedlich dargestellt sowie die Anordnung der Dias einfach durch Drag&Drop angepasst werden. Entsprechende Möglichkeiten der Zuordnung von Notizen zu einzelnen Folien und dem Ausdrucken von „Handouts“ runden das Paket ab. Bleibt als einziger Wehrmutstropfen der fehlende „Standalone-Player“, der es ermöglicht, eine Präsentation auch ohne Programm ablaufen zu lassen. Angesichts der Tatsache, dass man OpenOffice frei „verteilen“ kann, ist dies leicht verschmerzbar. Im Übrigen ist es möglich, die komplette Präsentation als PDF-Datei oder im Flashformat zu exportieren, sodass der Veröffentlichung keine Hindernisse im Weg stehen.

Draw – ein vollständiges Vektorzeichenprogramm

Ursprünglich als Hilfsmodul zu Impress geplant, ist Draw ein eigenständiges Vektorzeichenprogramm, mit dem sich komplexe Illustrationen erstellen lassen. Mit Ebenen und Überlagerungen, komplett objektorientiert, mit vielen vordefinierten Formen und Farben, Textmöglichkeiten und Beziér-Kurvenelementen lassen sich alle benötigten Zeichnungen im Büro- und Privatalltag schnell und unkompliziert realisieren. Sei es eine Einladungskarte, ein Organigramm oder ein Flussdiagramm – mehr als Draw wird nicht gebraucht. Die Einbindung des Zeichenprogramms in die Office-Suite kommt allen Modulen zugute – so lassen sich die meisten Funktionen auch direkt in den anderen Programmteilen ausführen und nutzen, ohne das Programm Draw zu starten.

Base – ein Datenbank-Frontend und eine Datenbank

Bleibt noch das letzte, große Modul von OpenOffice 2.0: Base. Neu hinzugekommen in Version 2.0, vereint es eine persönliche „kleine“ Arbeitsplatzdatenbank mit einem komfortablen und leicht zu bedienenden „Frontend“, also der Benutzerschnittstelle zwischen Datenbank und Anwender. In Base lassen sich mit Hilfe von Assistenten – oder auch mit viel eigenem Wissen – schnell Formulare, Abfragen und Berichte zu Datenbanken generieren und verwalten, um so das Arbeiten mit den Daten benutzerfreundlich zu gestalten. Dabei ist Base nicht auf die eingebaute Datenbank-Engine HSQLDB (eine in Java realisierte, schlanke SQL-Datenbank) angewiesen, sondern kann auf bestehende Datenbanken aufgesetzt und damit verbunden werden. Unterstützt werden neben den direkt ansprechbaren Datenbanken wie dBase, Access oder MySQL auch viele andere, sofern sie über eine JDBC- oder ODBC-Schnittstelle verfügen. Als sehr angenehm erweist sich das direkte Einbinden der gängigen E-Mail-Adressdatenbanken wie von Outlook, Mozilla oder Thunderbird beziehungsweise von LDAP-kompatiblen Adressbüchern.

Das Datenbank-Modul Base ermöglicht die Verwaltung großer Datenmengen.

Das Datenbank-Modul Base ermöglicht die Verwaltung großer Datenmengen.

Fazit

Faszinierend ist nicht nur die Komplexität und Stabilität, die einfache Bedienbarkeit, das einheitliche „Look&Feel“ und der enorme Funktionsumfang des Office-Pakets, sondern auch die Möglichkeit, mit dem gleichen Programm auf unterschiedlichen (Betriebs-) Systemen arbeiten zu können. OpenOffice 2.0 gibt es für Windows, Linux und MacOS, für Solaris und PPC Linux sowie für die BSD-Derivate – und immer ist die Oberfläche bis auf die jeweiligen GUI-Anpassungen (Icon-Farbe und Fensterrahmen) gleich, die Arbeitsweise identisch und der Dokumentenaustausch problemlos. Dem Projekt und der Community von OpenOffice ist damit sicher ein „großer Wurf“ gelungen, der Auswirkungen haben wird auf die aktuell bestehenden Strukturen im Office-Markt und möglicherweise eine Welle auslösen kann, deren Ende und Auswirkungen heute kaum abschätzbar sind. Auch wenn aktuell Sun Microsystems der größte Sponsor des OpenOffice-Projekts ist, bleibt doch zu hoffen, dass auch zukünftig ausreichend freiwillige Spenden aufgebracht werden können, um die Weiterentwicklung der freien Office-Suite zu gewährleisten.

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