TYPO3 in der ersten Liga
Wie ein Open-Source-System den Fußball erobert
Samstag, 15.30 Uhr: Längst nicht nur für eingeschworene Fußballfans ein Termin mit enormer Anziehungskraft. Denn dann rollt Woche für Woche der Ball in den Bundesliga-Stadien. Das Fieber um die schönste Nebensache der Welt grassiert in Deutschland nicht erst seit klar ist, dass bei der WM 2006 die Welt zu Gast bei Freunden sein wird. Schon viel früher hat König Fußball seinen erfolgreichen Marsch durch alle gesellschaftlichen Schichten angetreten und einen gewichtigen Platz in der breiten Öffentlichkeit eingenommen.
Seit Jahren boomt die Zahl derer, die die Spiele in Deutschlands Eliteliga live im Stadion erleben wollen. Auch in der Berichterstattung der Medien spielt Fußball längst die erste Geige, wie nicht nur der Poker um die Bundesliga-TV-Rechte unlängst gezeigt hat. Regelmäßig betreten neue Zeitschriften und Magazine den Print-Markt, die sich ausschließlich dem runden Leder widmen. Vereine erkennen die Zeichen der Zeit und forcieren verstärkt ihre Öffentlichkeitsarbeit. Mit Blick auf die eigenen Fans, die noch stärker an ihren Lieblingsklub gebunden werden sollen sowie auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten, entdecken die Bundesligisten vermehrt das Internet als mediale Plattform für eine gelungene Außendarstellung.
Die direkteste Kommunikationsschnittstelle zwischen Fan und Verein
Profi-Vereine ohne Internetauftritt – das ist heute nicht mehr vorstellbar. Immer mehr Klubs werden sich des entscheidenden und fast unschätzbaren Vorteils bewusst, auf Basis ihrer Online-Portale, unabhängig von der Berichterstattung in den lokalen und überregionalen Medien, Meldungen und Nachrichten aktuell und ungefiltert einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Website wird immer mehr als die direkteste Kommunikationsschnittstelle zwischen Fan und Verein wahrgenommen und darüber hinaus, erinnert sei nur an die Fanforen, auch als Community-Plattform zunehmend wichtiger. Insofern steigt aber auch der Anspruch des Fans, auf der Homepage seines Lieblingsvereins jederzeit die aktuellsten Informationen abrufen zu können. Auch Journalisten sind bei ihrer Berichterstattung immer häufiger auf die Online-Portale der Bundesliga-Klubs angewiesen.

Den Fans das Gefühl geben, als seien sie mit in Portugal – das Portal zum Trainingslager des 1. FC Köln.

Zwei Herzen schlagen in einer Brust, wenn zwei Teams derselben Agentur aufeinander treffen: Der HSV jubelt, Köln trauert.
Einhergegangen mit dieser steigenden Wertschätzung ist eine rasante technische Entwicklung. Längst verfügen die Profiklubs über aufwändige Internet-Auftritte mit immer stärkerer internationaler Ausrichtung. Zweisprachigkeit in Deutsch und Englisch gehört bei zwei Drittel der Bundesligisten zum guten Ton. Mit einer japanischen Auflage seiner Homepage lockt etwa der Hamburger SV die Fans aus Fernost auf seine Seite.
Die Anforderungen
Als Anfang 2003 der Sportrechte-Vermarkter SPORTFIVE für die Betreuung der Websites von Hertha BSC, des VfL Wolfsburg, des 1. FC Nürnberg sowie des HSV nach einer neuen Agentur suchte, beteiligte sich auch die Nexum GmbH aus Köln-Hürth am Pitch.
Der Spezialist für intermediale Kommunikation verfügte zu dieser Zeit zwar bereits durch die Betreuung des 1. FC Köln und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) über Erfahrung im Sportbereich, doch die Übernahme von gleich vier Bundesliga-Websites bedeutete eine ganz neue Herausforderung. Dabei stellte sich die entscheidende Frage, auf welches Redaktions- oder Content-Management-System (CMS) man setzen sollte. Nach ausgiebiger Umschau, sowohl auf dem Open-Source- als auch auf dem kommerziellen CMS-Markt, fiel die Wahl auf TYPO3. Gefragt war ein System, das geeignet ist, große, dynamische Websites zu betreiben. Ein System, das zugleich uneingeschränkt erweiterbar ist, sich aber auch in seinen Standardfähigkeiten mit kommerziellen Content Management Systemen messen kann. Ganz wichtiges Beurteilungskriterium: Die Unabhängigkeit des Layouts als Ausdruck maximaler Individualität musste unbedingt gewährleistet werden. Jeder Verein sollte seinen „Look“, seine Struktur und Navigation behalten. Darüber hinaus sollten die Vereine in die Lage versetzt werden, von nun an ihren Content gegebenenfalls selbst einpflegen zu können. Spätestens an dieser Stelle führte kein Weg mehr an TYPO3 vorbei.
Die ersten Gehversuche
Nachdem Nexum den Zuschlag erhalten hatte, galt es die Redakteure im Umgang mit TYPO3 zu schulen. Wie beim Autor selbst zeigten sich auch bei den anderen TYPO3-Novizen im ersten Schnupperkurs die typischen Berührungsängste. Die mächtige Benutzeroberfläche mit ihren vielen Symbolen, Buttons und Pulldown-Menüs sowie dem langen Seitenbaum hinterließen nachdenkliche Gesichter. Doch schon die ersten Übungen zur Content-Erstellung brachten die Erkenntnis, dass TYPO3 mit seinen vielen Schaltflächen dem Redakteur lediglich die Option einräumt, je nach „Geschmack“ zwischen mehreren möglichen Varianten bei der Veröffentlichung von Webinhalten auswählen zu können. Bereits nach einigen Tagen hatten die Redakteure den Respekt vor ihrem neuen Arbeitsgerät abgelegt und begaben sich stattdessen neugierig auf die Suche nach neuen Tricks und Kniffen. Schnell wuchs die Begeisterung, ohne spezielle Programmierkenntnisse alle Seitenbereiche redaktionell im Griff zu haben. Und dank des Seitenbaums, der im Backend ein so schönes Spiegelbild vom Frontend zeichnet, verirrt sich der Redakteur nicht im Datenwust, sondern behält jederzeit den Überblick. Leuchtende Augen bei den schreibenden Fußball-Freaks, wie schnell eine Tabelle, wie zügig eine Galerie und wie fix ein Anmeldeformular für das nächste Kindertreffen mit Hertha-Maskottchen Herthinho ins Netz gestellt sind. Nicht nur die verschiedenen Layout-Vorlagen für die einzelnen Content-Typen hat das Redaktionsteam von Nexum bald zu schätzen gelernt, sondern auch die leichte und flexible Integration und Verwaltung von Bildern, Galerien und anderen Inhalten wie Audio-, Video- oder PDF-Dateien.
TYPO3 im Live-Betrieb
Betreut werden die Bundesliga-Websites von der Zentralredaktion in Köln-Hürth. Dabei pflegt und erstellt diese sämtliche Inhalte für das Online-Portal des VfL Wolfsburg (vfl-wolfsburg.de) und ab Sommer 2006 auch für die Homepage des 1. FC Nürnberg eigenverantwortlich. Die redaktionelle Arbeit für die anderen Homepages (herthabsc.de, hsv.de und fc-koeln.de) erfolgt dagegen in Abstimmung mit den Kollegen, die vor Ort für den Internetauftritt ihres Vereins zuständig sind. Aufgrund ihrer Nähe zum Klubgelände oder Trainingsplatz liefern diese Berichte und Meldungen sowie O-Töne und Video-Sequenzen per E-Mail oder pflegen sie gegebenenfalls selbst ein. In der Zentralredaktion wird im Schichtsystem an sieben Tagen in der Woche gearbeitet.
Die Hauptlast, aber auch der spannendste Teil der Tätigkeit, fällt typischerweise am Wochenende an, wenn der Spieltag redaktionell zu stemmen ist. Hier ist schnelle, zugleich aber auch zuverlässige Arbeit gefragt. Der Fan ist unbarmherzig in seiner Kritik, sollte der Spielbericht verspätet, mit ärgerlichen Tippfehlern oder verhängnisvollen Zahlendrehern online gegangen sein. Höchste Konzentration ist gefordert – trotz oder gerade wegen der Hektik, die der Live-Betrieb mit sich bringt. „Hohe Aktualität und Qualität sind das Maß aller Dinge, die den Fan, abgesehen von der Identifikation mit seinem Klub, an eine Fußballseite binden“, meint Stephan Ritter, Geschäftsführer von Nexum, in einem Interview mit dem „Sportjournalist“, der Monatszeitschrift des Verbandes Deutscher Sportjournalisten.
Gerade wenn Aktualität gefragt ist, spielt TYPO3 seinen größten Trumpf aus: Einzelne Content-Elemente oder auch ganze Seiten inklusive ihrer Unterseiten können kopiert oder ausgeschnitten und so an anderer Stelle verortet werden. TYPO3 bietet den riesigen Vorteil, dass sich beim Verschieben und Ausschneiden von Seiten die Seiten-IDs nicht ändern und so die internen Verlinkungen erhalten bleiben. Auch Navigationen und Menüs können ohne Mühe angepasst oder gar neu erstellt werden. Damit ist der Redakteur jederzeit in der Lage, den Content seiner Homepage auf dem neuesten Stand zu halten. Befindet sich die angelegte Seite im Backend noch im Modus „versteckt“, so besteht die Möglichkeit über die Vorschau einen Blick zu riskieren, wie sich die gerade erstellten Inhalte dem Besucher präsentieren werden. Sollten noch kleinere Korrekturen nötig sein, kann direkt im Backend editiert werden.
Auch Übersichtsseiten wie die Startseite, auf der die zahlreichen aktuellen Meldungen rund um den Verein als kurze Anreißer (Teaser) aufgelistet werden, sind mit Hilfe einzelner Content-Elemente oder -Boxen leicht zu erstellen. Über die Anzahl der einzelnen Elemente entscheidet der Redakteur je nach Meldungslage selbst. Ohne großen Pflegeaufwand kann er sie flexibel in Unterrubriken oder in das Archiv verschieben. Darüber hinaus ist es möglich, die einzelnen Elemente zeitgesteuert zu veröffentlichen. So können Inhalte vorab ins System eingepflegt werden, die erst am Folgetag oder später automatisch „online gehen“ sollen.
Ein sehr bequemes Feature bietet TYPO3 mit dem Content-Typ „Datensatz einfügen“ (Insert records). Einmal erstellte Inhalte müssen nicht doppelt oder dreifach angelegt beziehungsweise aktualisiert werden, falls sie mehrmals in verschiedenen Navigationsbereichen der Website verankert sind. So wird die sonst so mühselige Pflege von Spielplänen, Tabellen und Saisonarchiven dank der Datensatzverweise zum Kinderspiel.
Weitere Projekte und neue Ziele
Nach zweieinhalb Jahren Dauereinsatz steht fest: Die Entscheidung für TYPO3 war die richtige Wahl und hat sich in jeder Hinsicht bewährt, auch unter Berücksichtigung der stetig wachsenden Zugriffszahlen auf die Seiten. Der tägliche Austausch mit den Kollegen in Berlin, Hamburg, Köln und Nürnberg bestätigt dies. Auch die Website des 1. FC Köln basiert nach einem von Nexum realisierten Relaunch seit Mai 2005 auf TYPO3. Hier stellte das System gerade erst vor kurzem seine Vielseitigkeit erneut unter Beweis, als mit nur sechsstündigem Arbeitsaufwand ein eigenes Portal für das Wintertrainingslager der Geißböcke implementiert werden konnte, das bei den Fans enorme Beachtung fand.
In den von Nexum betreuten Bundesliga-Websites sind alle Standards integriert, die das Online-Portal eines Profivereins auszeichnen. So müssen die Besucher weder auf Online-Shop, Ticketing, Forum und Newsletter noch auf den Live-Ticker verzichten. Zudem können die Fans mit ihren Stars im Chatroom regelmäßig Kontakt aufnehmen.
Doch dabei soll es nicht bleiben, die Reise soll weiter gehen. Unlängst hat Nexum erfolgreich den Relaunch der angesehenen privaten Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar/Koblenz realisiert und damit Neuland betreten. In zwei Schulungsveranstaltungen der Agentur konnte den für die Seitenpflege verantwortlichen Hochschul-Mitarbeitern und Studenten problemlos der Umgang mit dem System vermittelt werden. So hat sich der Kreis der Online-Redakteure, die ihr Handwerk mit TYPO3 verrichten, auf einen Schlag um fast 100 Personen vergrößert. Um die Datenverwaltung im Backend nicht komplizierter als nötig zu gestalten, konnten einzelne Menüpunkte, Standardfunktionen, Erweiterungen und Zugriffsrechte an die Bedürfnisse des jeweiligen Redakteurs angepasst werden: Ein weiteres Plus von TYPO3.
Als neues Ziel hat sich Nexum gesteckt, das den Bundesliga-Websites zugrunde liegende System dahingehend zu erweitern und zu optimieren, dem Bedürfnis des Markts nach Premium- und Pay-Angeboten bestmöglich nachzukommen. Hierbei lässt sich der Fan nicht mehr mit Inhalten locken, die lediglich aus der Zweitverwertung stammen. Interessant und spannend wird Premium-Content erst dann, wenn der Nutzer mittels exklusiver Bewegtbilder und Live-Reportagen einen ganz persönlichen Blick hinter die Kulissen werfen und damit näher an seinen Lieblingsklub rücken kann.
























