Ubuntu Linux

Im täglichen Einsatz

Als Grundlage des Artikels dient die aktuelle Ubuntu-Version, die auf den Namen „Breezy Badger“ (auf Deutsch: Frechdachs) getauft wurde. Ubuntu bietet schon auf den ersten Blick einige handfeste Vorzüge:

  1. Ubuntu ist kinderleicht zu installieren. Obwohl die Installationsroutine des bewährten Debian-Systems mittlerweile überarbeitet wurde, ist ihm Ubuntu in punkto Benutzerfreundlichkeit um Längen voraus. Bestehende Betriebssysteme, die neben Ubuntu die Festplatte bevölkern, werden nicht angetastet; der Ubuntu Installer ist sogar in der Lage, Windows-Partitionen aller Couleur zu verkleinern und somit Platz für Linux-Installationen zu schaffen.
  2. Ubuntu basiert auf der vielfach bewährten Debian GNU/Linux Distribution, die mittlerweile mehr als zehntausend Softwarepakete anbietet.
  3. Im Gegensatz zu Debian kommt Ubuntu mit einer überschaubaren Auswahl von Softwarepaketen daher: Für die Installation genügt eine einzige CD. Ubuntu ist so konzipiert, dass im Lieferumfang der Basisdistribution für jede Anwendungsaufgabe lediglich ein bewährtes Programm zum Einsatz kommt. Dadurch werden insbesondere Einsteiger nicht überfordert.
  4. Ubuntu lässt sich spielend auf aktuellem Stand halten. Dafür sorgt der Ubuntu Update Manager sowie das Debian Paketsystem. Ein simples „apt-get upgrade“ aktualisiert alle Pakete, mit „apt-get dist-upgrade“ kann man sogar die komplette Distribution erneuern.

Sie erhalten die jeweils aktuelle Ubuntu Distribution auf www.ubuntulinux.org/download und auf den dort verlinkten Mirrors. Freundliche Zeitgenossen bedienen sich des BitTorrent-Downloads, um Bandbreite zu sparen. Sie können dort auch Live-CDs herunterladen, um Ubuntu erst einmal ohne Installation zu testen.

Installation

Nachdem das Installationsmedium vom BIOS erkannt und für bootwürdig befunden wurde, begrüßt Sie Ubuntu und fordert zu einem beherzten „Enter“ auf. Mit dem gebräuchlichen Druck auf F1 gelangen Sie bei Bedarf in ein Hilfsmenü. Durch die Eingabe von „server“ können Sie ein Minimalsystem installieren, das ohne grafische Oberfläche auskommt. Die nachfolgende Installation verläuft selbsterklärend. Ein wenig Vorsicht ist bei der Partitionierung geboten, aber auch hier ist der Ubuntu-Installer übersichtlich und verständlich, sodass mit ein wenig Aufmerksamkeit nichts passieren sollte. Bei der Partitionierung haben Sie sogar die Möglichkeit, Raids oder einen Logical Volume Manager (LVM) einzurichten. Die Installationsroutine ist vollkommen textbasiert und kommt mit einem Minimum an grafischem Schnickschnack daher.

Ubuntu alle nötigen Programme für den sofortigen Start an Bord, etwa OpenOffice.org für die Büroarbeit, Rhythmbox zum Abspielen von MP3-Dateien sowie Mozilla Firefox zum Surfen im weltweiten Netz. Wenn mal etwas hakt, hilft www.ubuntuusers.de.

Ubuntu alle nötigen Programme für den sofortigen Start an Bord, etwa OpenOffice.org für die Büroarbeit, Rhythmbox zum Abspielen von MP3-Dateien sowie Mozilla Firefox zum Surfen im weltweiten Netz. Wenn mal etwas hakt, hilft www.ubuntuusers.de.

Dies ist aber kein Nachteil, da die Installation selbst einem absoluten Anfänger leicht von der Hand gehen dürfte. Es ist eine Menge Arbeit in diesen Installer geflossen und man merkt sehr schnell, dass man für eine einfache und übersichtliche Installation gar keinen X-Server braucht. Wem die Installation nicht detailliert genug verläuft, der gibt beim Installationsstart einfach die Option „expert“ oder „server-expert“ ein. So bekommen Sie den maximalen Zugriff auf die einzelnen Installationspunkte und können alle Aktionen einzeln bestätigen und auswählen. Ubuntu installiert sich problemlos parallel zu vorhandenen Windows-Installationen. Hierbei ist es belanglos, ob sich Windows als FAT32 oder NTFS breit gemacht hat. Die ganze Installation dauert weniger als eine Stunde und belegt knapp zwei Gigabyte Festplattenplatz.

Schon während der Installation werden Sie eine Besonderheit von Ubuntu kennenlernen, die „klassische“ Linuxbenutzer zu Anfang verwirren wird: Es wird kein root-Passwort angelegt. Der Grund ist ein ganz einfacher: Ubuntu Linux nutzt das Konzept „sudo“. Der zuerst angelegte Benutzer (also der bei der Installation angegebene) besitzt root-Rechte, wenn er jedem Befehl der root-Rechte erfordert ein „sudo“ voranstellt. Das dabei abgefragte Passwort ist das normale Benutzer-Passwort. Mit einem simplen „sudo passwd root“ lässt sich ein klassischer root-Benutzer anlegen, doch ist dies dem ambitionierten Ubuntu-Benutzer nicht zu empfehlen, da viele grafische Administrationstools auf sudo zurückgreifen und beim Anlegen eines „klassischen“ root-Benutzers den Dienst verweigern. Aber keine Angst: Man gewöhnt sich schneller daran als man denkt. Besitzer eines Macs werden sich gar nicht erst umgewöhnen müssen – ihnen ist dieses Konzept bereits von Mac OS X bekannt. Ubuntu verwendet GNOME als Standard-Arbeitsumgebung. Wer statt dessen KDE bevorzugt, dem sei Kubuntu empfohlen. Sie können, eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt, auch jederzeit KDE parallel installieren („sudo apt-get install kubuntu-desktop“) und dann auswählen, mit welcher Desktop-Umgebung Sie arbeiten möchten. Das System begrüßt Sie mit warmen Brauntönen – ein bisschen trist, aber auf jeden Fall nicht so kühl wie bei anderen Distributionen. Dieses sehr schlichte und aufgeräumte Human-Theme ist ein Tribut an Afrika, wo der geistige Vater von Ubuntu, Mark Shuttleworth, lange Zeit gelebt hat. Das Standard-Theme lässt sich im Handumdrehen ändern und notfalls durch Designs aus dem Internet ergänzen.

Erster Kontakt

Ubuntu Linux ist nach einer Standardinstallation ein reines Desktopsystem, es sind also weder Entwickler-Tools (z. B. Compiler) noch Servererweiterungen installiert. Dies alles lässt sich aber dank des komfortablen APT-Paketmanagements und der grafischen Erweiterung „Synaptic“sehr schnell nachinstallieren. Bis auf den DHCP-Port sind alle Ports von Beginn an geschlossen, sodass keine Angriffe von außen möglich sind. Da Ubuntu auf einer einzigen CD daherkommt, mussten Abstriche bei der Paketauswahl gemacht werden. Es sind beispielsweise nicht alle deutschen Sprachpakete installiert, sodass an dieser Stelle manuell nachgearbeitet werden muss. Dies ist nicht weiter schwer und lässt sich mit wenigen Handgriffen erledigen. Die nötigen Werkzeuge werden mitgeliefert. Aus rechtlichen Gründen fehlen ebenso die Codecs zum Abspielen von MP3s oder DVDs. Die Rechtslage für das Anschauen von DVDs auf dem Computer ist sehr unklar, die MP3-Unterstützung lässt sich jedoch durch ein simples „sudo apt-get install gstreamer-mad“ im Terminal nachordern. Findige Naturen werden aber im Internet auch für das Problem mit den DVDs fündig.

Ganz nach der Philosophie von Ubuntu, es solle für jeden Zweck nur ein Programm geben, ist der Desktop von Ubuntu auffallend aufgeräumt. Selbst der Einsteiger findet sich hier sofort zurecht und wird nicht mit ausufernden Menüs erschlagen. Als Musikplayer ist Rhythmbox vorhanden, für Videos jedweder Art der Player Totem, den Sie allerdings mit „totem-xine“ erweitern sollten. CDs und DVDs lassen sich ganz einfach mit dem Dateimanager Nautilus brennen, bei weitergehenden Ansprüchen fällt die Installation von gnomebaker oder K3b sehr leicht. Zum Surfen im Internet ist Firefox installiert, für E-Mails Evolution. Selbst das Erstellen von Audio-CDs geht mit dem integrierten Programm Serpentine schnell von der Hand. Zusätzlich ist das gesamte OpenOffice-Paket an Bord, sodass Sie sofort eine Textverarbeitung und ein Tabellenkalkulationsprogramm zur Hand haben. Oben rechts auf dem Desktop meldet sich relativ schnell nach dem ersten Start der Update-Notifier, der Ihnen bekannt gibt, wenn es Updates für Ubuntu gibt. Bei Updates verhält sich Ubuntu vorbildlich, allerdings werden nur Sicherheitsupdates, jedoch keine Programmupdates, etwa zum Hinzufügen neuer Features, automatisch veröffentlicht. Ubuntu hat sich für diesen Weg entschieden, da der Release-Zyklus mit einem halben Jahr so kurz ist, dass man bei aktuellen Ubuntu-Versionen oberste Priorität auf Stabilität gelegt hat. Es wird versprochen, dass für jedes Release eineinhalb Jahre lang Sicherheitsupdates zur Verfügung gestellt werden.

Wenn Sie mehr Software brauchen, können Sie diese, wie bereits beschrieben, sehr leicht aus den umfangreichen Repositories nachinstallieren. Hier gibt es für fast jeden Zweck das geeignete Programm.

Ubuntu nutzt APT, das geniale Paketverwaltungssystem von Debian. Mit wenigen Schritten können Sie neue Programme und Pakete installieren.

Ubuntu nutzt APT, das geniale Paketverwaltungssystem von Debian. Mit wenigen Schritten können Sie neue Programme und Pakete installieren.

Sie können diese Repositories über Synaptic-Paketquellen ganz einfach konfigurieren oder die Datei „/etc/apt/sources.list“ manuell editieren. Sie haben schließlich die Auswahl aus über 20.000 Paketen und damit die Qual der Wahl – wenn Sie es wünschen. Im Übrigen ist ein Upgrade der gesamten Distribution ohne weiteres möglich. Sie müssen hierzu lediglich in der Datei „sources.list“ alle Bezeichnungen „breezy“ durch den Namen des Nachfolgers, also ab April „dapper“, ersetzen. Ein anschließendes „sudo apt-get update“ und „sudo apt-get dist-upgrade“ aktualisiert dann Ihr altes Ubuntu auf das aktuelle. Dies ist auch schon während der Entwicklung des Nachfolgers möglich, aber nicht für den produktiven Einsatz empfohlen, sondern eher für Bastler und Entwickler gedacht. Dennoch ist es schön zu sehen, dass Ubuntu hier, wie in allen anderen Bereichen, mit offenen Karten spielt.

Ubuntus Hardwareerkennung funktioniert sehr gut und dürfte an die von Knoppix heranreichen. Für bequeme Naturen funktioniert sogar „Plug&Play“. Schließt man beispielweise ein USB-Gerät an, sei es eine externe Festplatte oder ein Stick, so werden diese Geräte automatisch eingebunden, ein entsprechendes Icon auf dem Desktop angelegt und der Dateimanager geöffnet. Wem dieses Verhalten nicht zusagt, der kann es beeinflussen. Auch USB-Mäuse und ähnliche Geräte stellen Ubuntu vor kein Problem.

Fazit

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht mit Dapper Drake (auf Deutsch: Eleganter Erpel) schon der Nachfolger von Breezy Badger in den Startlöchern. Das Release vereint die neuesten Pakete in sich, etwa Gnome 2.14 oder die neueste x.org-Version. Zum Zeitpunkt der Drucklegung war noch nicht auszumachen, welche Neuerungen tatsächlich Einzug in das neue Release halten werden. Alles in Allem bleibt festzuhalten, dass Ubuntu sich als eine sehr einsteigerfreundliche Linux-Distribution darstellt, die auch dem fortgeschrittenen Anwender jede Art der Konfiguration und Anpassung an die eigenen Bedürfnisse auf bequeme Weise ermöglicht.

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