Ubuntu-Linux
Der neue Shooting-Star am Distributionshimmel
Ubuntu bedeutet ungefähr soviel wie „humanity to others“ oder auch „I am what I am because of who we all are“. Der Gründervater von Ubuntu [1] ist Mark Shuttleworth, ein südafrikanischer Multimillionär, der durch seine ehemalige Sicherheitsfirma Thawte erfolgreich wurde. Er stellte durch seine neu gegründete Firma Canonical [2] für die Entwicklung von Ubuntu eine Reihe namhafter Debian-Entwickler ein. Durch diese Einstellung ist eine konzentrierte Arbeit der Entwickler an Ubuntu möglich.
Ubuntu setzt auf die solide Debian-Distribution auf. Die Entwickler haben dazu Pakete aus dem Debian-Entwicklerbereich genutzt und diese verfeinert. Außerdem konzentriert sich Ubuntu nur auf die namhaften Hardware-Architekturen wie i386, PowerPC und die neuen 64-Bit-Prozessoren von Intel und AMD. Damit entfallen eine Reihe Anpassungsarbeiten, die bei Debian noch notwendig sind.
Doch warum überhaupt Ubuntu?
Das vorrangige Ziel war eine auf dem Desktop erfolgreiche Distribution. Obwohl immer wieder gelobt und mit Hoffnung versehen, ist freie Software dort noch nicht so erfolgreich wie sie es sein könnte. Sie muss oftmals stärker ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen als die meist schon vorhandende Windows-Installation. Ubuntu möchte hier Maßstäbe setzen, indem es die Benutzbarkeit und Verwaltung des Desktops drastisch vereinfacht. Und der Maßstab für die Benutzbarkeit ist nicht der schon eingewöhnte Benutzer, sondern Umsteiger oder Erstnutzer.
Die Installation
Die Installation ist sehr einfach. Alle auf Debian basierenden Distributionen setzen heute den Debian-Installer ein, eine modular aufgebaute Installationsroutine, die eine Anpassung an unterschiedliche Belange erlaubt und bereits in viele Sprachen übersetzt wurde. Nach der recht einfachen Installation werden noch einige Einstellungen nach dem ersten Neustart vorgenommen, ein Benutzer eingerichtet und man wird vom GNOME-Desktop begrüßt. Dies ist die grafische Standard-Oberfläche von Ubuntu.
Eine wichtige Frage taucht bei der Benutzung von Ubuntu dann ziemlich schnell auf. Wie lautet das Passwort für den Benutzer „root“? Die einfache Antwort dazu lautet: Der Benutzer „root“ wird normalerweise nicht direkt genutzt. Vielmehr verwendet Ubuntu konsequent „sudo“ (siehe Box Sudo), ein Programm, das einem normalen Benutzer Sonderrechte einräumen kann. Und diese Sonderrechte werden dem neu angelegten Benutzerkonto bei der Installation automatisch zugewiesen.
Was ist eigentlich alles onboard?
Die komplette Software, die man von normaler Büro- und Internetarbeit gewohnt ist. Als Webbrowser steht Mozilla Firefox bereit, als E-Mail-Programm Evolution (oder auch Mozilla Thunderbird), und mit OpenOffice 2.0 ist eine ausgereifte Office-Suite dabei. Programme zum Betrachten oder Bearbeiten von Bildern sind ebenfalls installiert.
Multimedial stehen ein Videoplayer und, mit Rhythmbox, eine an iTunes angelehnte Music-Suite zur Verfügung. Das Brennen von CDs und DVDs ist in den Datei-Explorer Nautilus direkt integriert und somit extrem einfach benutzbar. Man denke nur an manch grauenhaft „benutzerfreundliche“ Oberfläche der Brennprogramme unter Windows.
Die Installation weiterer Software geschieht grafisch durch das Programm „Synaptic“ [3] in einem einfachen Modus oder in der erweiterten Expertenvariante. Das System bleibt mit diesem Mechanismus dank automatischer Sicherheitsupdates stets aktuell.
Zudem ist seit dem „Breezy“-Release von Ubuntu (Version 5.10) ein weiterer Bonus mit eingeflossen: Eclipse, eine Power-Entwicklungsumgebung initiiert von IBM, ist in Ubuntu ebenfalls eingezogen. Insgesamt stehen für Ubuntu eine vergleichsweise hohe Anzahl an Softwarepaketen zu Verfügung. Ubuntu unterscheidet dabei lediglich zwischen einem Bereich mit Support und einem Bereich ohne Support, eine Tatsache, die einen Privatanwender aber nicht besonders stört.
Noch immer nicht überzeugt?
Ergänzend sei erwähnt, dass Ubuntu halbjährlich ein neues Release veröffentlicht. Nach dem Namensschema „Jahr.Monat“ kam im Oktober 2004 das Release 4.10 mit dem Codenamen „Warty Warthog“, im April 2005 5.04 „Hoary Hedgehog“ und erst vor kurzem folgte das dritte Release 5.10 „Breezy Badger“. „Breezy Badger“ stellt dank leistungsfähigem Hotplug-System und Verbesserungen in der Energieverwaltung einen neuen Meilenstein dar. Nach guter Tradition wird der Name des nächsten Releases im Übrigen immer noch von Mark Shuttleworth persönlich veröffentlicht.
Nicht nur für den Desktop
Galt der erste Schritt von Ubuntu noch dem Desktop, entwickelte sich schon früh die Tendenz, Ubuntu auch für den Server zu nutzen. Eine angepasste Installationsroutine war der erste Schritt dazu. Diese vermied einfach die Installation einer grafischen Benutzeroberfläche. Die Ausrichtung auf eine vollständige Server-Distribution ist aber dennoch unverkennbar. Mit dem Release „Breezy Badger“ kam erstmals eine eigene Installations-CD für Server [4] heraus. Hervorragend geeignet, um einen einfachen TYPO3-Server aufzubauen, sind ein Apache Server in der Version 2, PHP in den Versionen 4 und 5 und neben MySQL auch PostgreSQL vorinstalliert.

Jeder Ubuntu-Nutzer kann über das Launchpad um Unterstützung für beliebige Softwarepakete bitten oder Programme selbst übersetzen.
Die Community wächst
Ubuntu ist bereits ein integraler Bestandteil der Community geworden und die eigene Community wächst mit jedem Release. Auf DistroWatch.com [5] ist Ubuntu unter den wichtigsten Distributionen bereits auf Platz 1 geklettert. Es ist schon lange nicht mehr nur ein „Debian-Ableger“, sondern durch seine eigene Infrastruktur eine treibende Kraft der Debian-basierten Distributionen. Mit Launchpad [6] betreibt Ubuntu eine eigene Plattform mit Services rund um die Software-Entwicklung. Davon profitiert nicht nur Ubuntu, sondern alle Distributionen. Nicht-Programmierer können über das webbasierte „Rosetta“ (siehe Infobox) ihren Beitrag an der Übersetzung von Software beitragen oder in den Foren und Mailinglisten andere Nutzer unterstützen. Mit Malone nutzt Ubuntu ein neues leistungsfähiges Bugtracking-System, das nicht nur die Grenzen von Ubuntu kennt, sondern die Kommunikation vieler Beteiligter bei der Lösung von Bugs unterstützt, auch über Distributionsgrenzen hinaus. Und mit Bazaar wird parallel zur Distribution ein verteiltes Versionsverwaltungssystem für Ubuntu entwickelt.
Ubuntu ist sowohl idealistisch als auch pragmatisch. Sein Idealismus ist eine freie und hervorragende Distribution, sein Pragmatismus, die richtigen Werkzeuge für die Entwicklung einzusetzen und eine einfach zu benutzende Distribution zu sein. Darüber hinaus hat die rege Entwicklung mittlerweile neue Projekte wie „Kubuntu“ (Ubuntu mit KDE-Desktop) und „Edubuntu“ (Ubuntu für den Bildungssektor) ins Leben gerufen.
Und wie gehts weiter?
Zur finanziellen Sicherung des Projekts hat Mark Shuttleworth am ersten Juli 2005 die Ubuntu Foundation gegründet und sie mit einem Budget von zehn Millionen US-Dollar ausgestattet. Gesichert scheint die Zukunft auch durch die Akzeptanz seitens IT-Konzernen wie HP oder IBM. HP veröffentlichte kürzlich Pläne zur direkten Unterstützung von Ubuntu auf seinen Notebooks. IBM bescheinigte der Server-Variante von Ubuntu die Tauglichkeit für den Unternehmenseinsatz und zertifizierte Ubuntu als „Ready for DB2“ - den hauseigenen Datenbank-Server. Und mit dem neu entstehenden Partnernetzwerk [7] werden von einer Vielzahl qualifizierter Firmen Zusatzleistungen auf hohem Niveau angeboten.
Ausblick
Das neue Release „Dapper Drake“ wird im April 2006 wohl zeitgleich mit Microsofts „Vista“ erscheinen. Das Ubuntu-Projekt sieht nicht zuletzt deshalb die Herausforderung für das nächste Release darin, seinen Anwendern eine hochwertige Betriebssystem-Alternative zu bieten. Dazu wird es erstmals drei Jahre Support für den Desktop und fünf Jahre Support für den Server geben. Man darf also mit Spannung dem Jahr 2006 entgegensehen.
| Ubuntu ShipIt |
| Ein tolles Programm zur Verbreitung von Ubuntu ist ShipIt. Es besteht dabei die Möglichkeit sich kostenlos Ubuntu-CDs zusenden zu lassen. Selbst die Kosten für das Porto werden übernommen. Dies ist eine attraktive Idee um den Bekanntheitsgrad von Ubuntu zu steigern. Bestellen Sie sich also ruhig ein paar CDs und verteilen Sie diese unter Ihren Freunden und Bekannten. https://shipit.ubuntu.com/ |
| Rosetta |
| Internationalisierte Software funktioniert heute fast immer mit dem Gettext System. Dabei werden die zu übersetzenden Zeichenketten aus dem Quellcode der Software ausgelesen und in einer eigenen Datei gespeichert. Diese Zeichenketten können nun von Übersetzern in die jeweilige Landessprache übersetzt werden. Die lokalisierte Software sucht beim Starten der Anwendung nach den Spracheinstellungen in den Umgebungsvariablen und bindet die richtige Übersetzung ein. Um den Anreiz für Nichtprogrammierer zu erhöhen, können nun Übersetzer auf Launchpad.net auch webbasiert mitarbeiten. |
| Sudo |
| Ein kleiner Mechanismus, große Wirkung. Viele Benutzer arbeiten aus Bequemlichkeit mit administrativen Benutzerkonten um "nicht ständig wechseln zu müssen". Dieses Verhalten ist mit sudo nicht mehr notwendig. Sind administrative Aufgaben fällig, so sorgt ein Programmaufruf mit vorangestelltem sudo nach Angabe des eigenen Passworts für die notwendigen Rechte. |













