VMware Player
Virtuelle Maschinen für jedermann.
Die beiden großen kommerziellen Tools von VMware (Workstation) und Microsoft (Virtual PC) sind fester Bestandteil im Werkzeugkasten vieler Entwickler geworden. Mit ihnen ist es möglich, auf einem gewöhnlichen PC viele weitere virtuelle Computer nachzubilden. Diese virtuellen Systeme (Gastsysteme) teilen sich die Hardwareressourcen des physikalischen Rechners, des Wirtsystems. Daher gilt: Je höher die Leistungsanforderungen der virtuellen Maschinen (VM), desto besser muss das Wirtsystem ausgestattet sein. Mit einer Virtualisierungssoftware ist es beispielweise möglich, auf einem Windows-XP-System auch Linux oder Windows in verschiedenen Versionen gleichzeitig zu betreiben. Vor kurzem wurde mit der Veröffentlichung von VMware Player die nächste Runde eingeläutet, da die Nutzung dieser Version im Gegensatz zur Workstation kostenfrei ist. Mit dem Player lassen sich vorhandene virtuelle Systeme unter Windows und Linux verwenden. Im Gegensatz zur VMware Workstation ist VMware Player nur in der Lage, fertige virtuelle Maschinen zu nutzen, kann solche allerdings nicht erstellen. Im Laufe des Artikels wird diese Einschränkung jedoch relativiert, da Mittel und Wege existieren, virtuelle Maschinen trotzdem erstellen zu können.
Durch den Einsatz des kostenlosen Players spart der Anwender rund 160 Euro pro verwendeter Version. Dies ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs, da jetzt ein wesentlich interessanterer Aspekt an Bedeutung gewinnt: die Verwendung als Transportmittel. Entwickler und Endanwender sind nun in der Lage, virtuelle Maschinen zu erstellen und mit allen erdenklichen Konfigurationen zu versehen, um diese anderen zur Verfügung zu stellen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Player zurzeit eine enorme Verbreitung findet. Im TYPO3-Umfeld könnte eine virtuelle Maschine mit Linux, Apache und TYPO3 mit vorkonfiguriertem Beispiel-Webauftritt an einen Kunden verschickt werden, der die VM nur noch starten muss – ohne Neustart, ohne Neuinstallation und ohne Anpassung des Produktivsystems. Nur VMware Player muss vorher installiert werden.
VMware Player kann von der Website des Herstellers [1] kostenlos und ohne Registrierung heruntergeladen werden. Übrigens schließen sich VMware Player und Workstation gegenseitig aus. Um VMware Player installieren zu können, muss die Workstation deinstalliert werden und im umgekehrten Fall ebenso. Allerdings enthält die aktuelle VMware Workstation bereits den Player, womit für Anwender mit aktueller Lizenz kein Problem entsteht. Unter Windows steht eine einfache Setup-Routine zur Verfügung, unter Linux kann zwischen einer Installation per RPM-Datei oder direkt aus den Quellen gewählt werden, wobei ein Perl-Skript anschließend das virtuelle Netzwerk konfiguriert. Die Installation wird detailliert im Handbuch [2] beschrieben. Nach der erfolgreichen Installation wird eine vorgefertigte virtuelle Maschine benötigt, um den VMware Player überhaupt sinnvoll nutzen zu können.

Sicherer surfen mit VMware Player und der virtuellen Maschine „Browser Appliance“, einem abgespeckten Ubuntu-Linux inklusive Firefox. VMware Tools erhöhen zusätzlich den Komfort bei der täglichen Arbeit mit VMware.
Diese besteht im Minimum aus zwei Dateien: einer Konfigurationsdatei und einer Festplattendatei. In der Konfigurationsdatei wird unter anderem die virtuelle Hardwareumgebung festgelegt. Hierzu gehören unter anderem die Werte für Hauptspeichermenge, virtuelle Netzwerkkarten,Festplattencontroller und Festplatten. Diese Festplatteneinträge sind wiederum Verweise auf die eigentliche Festplattendatei im Dateisystem, beispielsweise „C:\vmachines\vm1\vm1-hdd-system.vmdk“. Die Festplattendatei wird von der virtuellen Maschine wie eine physikalische Festplatte genutzt. Um die virtuelle Maschine im Player zu starten, muss unter Windows die Konfigurationsdatei .vmx doppelt angeklickt werden. Alternativ fragt der Player beim Start automatisch nach einer virtuellen Maschine. Sollen mehrere virtuelle Maschinen gleichzeitig verfügbar sein, müssen lediglich mehrere Instanzen des VMware Players gestartet werden.
Sobald die virtuelle Maschine im Player läuft, kann über die Menüs die Steuerung von Wechselmedien (Floppy, CD-ROM, USB) und Netzwerkkarten übernommen werden. Die Netzwerkkarten können in vier verschiedene Modi geschaltet werden:
- Bridge = Netzwerkverbindung besteht direkt über die Netzwerkkarte des Wirtsystems
- NAT = virtuelles NAT-Netzwerk wird genutzt (kann im Produktivnetz des Wirts eingeschränkt arbeiten)
- Host-Only = Verbindung zu sämtlichen virtuellen Maschinen im Host-Only-Modus auf dem Wirt
- keine Netzwerkverbindung

Eine virtuelle Maschine besteht aus mindestens zwei Dateien, der virtuellen Festplatte (.vmdk) und einer Konfigurationsdatei (.vmx). Die Datei *.nvram speichert das BIOS, *.vmsd speichert Informationen über einen Snapshot.
Darüber hinaus ist es möglich, das Verhalten beim Beenden des Players anzupassen. Entweder wird der virtuelle PC heruntergefahren oder in den Standby-Modus versetzt. VMware hat zeitgleich mit dem Erscheinen des Players eine vorgefertigte virtuelle Maschine (Template) mit Ubuntu Linux als Gastbetriebssystem zum Download bereitgestellt, die als eine Art sichere Surfwiese verwendet werden kann. Diese virtuelle Maschine finden Sie auf der CD-ROM, die dieser Ausgabe beiliegt. Darüber hinaus haben verschiedene Hersteller wie Novell oder RedHat ebenfalls Templates zur freien Nutzung bereitgestellt.
Vor wenigen Wochen wurde nun eine Template-Community ins Leben gerufen, die allen Anwendern die Möglichkeit gibt, selbst erstellte Templates an VMware zu senden. Diese werden auf der Community-Website [3] veröffentlicht und sind für jedermann zugänglich und nutzbar. Diese Art der VM-Verteilung weckte sofort großes Interesse, sodass mittlerweile über ein Dutzend Templates verfügbar sind. Dies ist sicherlich erst der Anfang, denn die Anzahl der Templates wächst stetig.
Da VMware Player keine virtuellen Maschinen erstellen kann, muss man entweder eine Lizenz für VMware Workstation kaufen oder auf verschiedene Tricks zurückgreifen. Wie schon erwähnt, benötigt man für eine virtuelle Maschine lediglich zwei Dateien: eine Konfigurationsdatei und die Festplattendatei. Mittlerweile existieren zahlreiche Programme und Tools [4], die das Erstellen beider Dateien mit unterschiedlichen Parametern ermöglichen. Zudem ist es möglich, vorgefertigte virtuelle Maschinen zu starten und mittels einer CD eine Neuinstallation anzustoßen.
Falls die virtuelle Maschine über kein CD-ROM-Laufwerk verfügt, genügt eine kleine Änderung in der Konfigurationsdatei, um entweder das physikalische Laufwerk des Wirtsystems oder ein ISO-Image in der virtuellen Maschine bereitzustellen:
ide1:0.present = "TRUE" #Phys. CD-ROM ide1:0.fileName = "auto detect" ide1:0.deviceType = "cdrom-raw" #ISO Image ide1:0.fileName = "c:\pfad\cdimage.iso" ide1:0.deviceType = "cdrom-image"Listing 1
Die Verwendung von ISO-Images bietet zudem die praktische Möglichkeit, Live-CDs wie Knoppix oder WinPE zu starten, ohne den Rechner neu starten zu müssen. Möchte man eigene Live-CDs erstellen, hat man mit dem VMware Player ebenfalls das richtige Testwerkzeug zur Hand. Zur Erstellung eigener CD-Images existieren verschiedene kommerzielle Programme, aber auch kostenfreie wie LCISOCreator [5].
Die einfachste Lösung zum Erstellen eigener virtueller Maschinen bietet die Evaluationsversion der VMware Workstation. Diese hat eine Laufzeit von 30 Tagen und kann in dieser Zeit uneingeschränkt genutzt werden. Virtuelle Maschinen können allerdings auch nach Ablauf des Testzeitraums immer noch angelegt und angepasst werden. Lediglich das Starten der virtuellen Maschinen ist nicht mehr möglich. Da die aktuellste Version zudem den VMware Player enthält, der auch nach den 30 Tagen noch nutzbar ist, kann dieser zum Starten der VM verwendet werden. Eine etwas umständliche aber durchaus praktikable Lösung, um eine kostenfreie und sehr funktionale virtuelle Umgebung zu betreiben, ohne die VMware Workstation kaufen zu müssen. Einzig die neuen Funktionen der VMware Workstation wie Dualprozessor, VM-Gruppen und Snapshots können nicht oder nur sehr schlecht genutzt werden. Netterweise hat VMware der Testversion auch die VMware Tools spendiert, die eine Vielzahl von Verbesserungen bei der Performance und Nutzung der Gastsysteme bieten. Diese befinden sich nach der Installation in Form von vier ISO-Dateien im Programmverzeichnis. Sie können einfach nach obiger Anleitung in die virtuelle Maschine eingebunden werden. Sobald die virtuelle Maschine gestartet ist, können die VMware Tools über die Installationsroutinen auf der per ISO eingelegten virtuellen CD installiert werden. Sobald die eigene virtuelle Maschine erstellt ist, kann man sie anderen Nutzern des VMware Players zur Verfügung stellen. Dies können Freunde, Kollegen, Kunden oder die oben erwähnte Community sein.
Fazit
VMware hat mit dem Player auf die immer größer werdende Konkurrenz durch Mitbewerber und Open-Source-Projekte reagiert, um eine größere Verbreitung im Markt zu erlangen. Dieser Schachzug scheint gelungen und bietet jedem Nutzer enorme neue Möglichkeiten, den Bereich Virtualisierung zu betreten und kennenzulernen. Allerdings ist dieses kostenfreie Produkt keineswegs nur für Einsteiger interessant. Auch in professionellen Umgebungen lässt sich der Player sinnvoll einsetzen. Eine vorgefertigte virtuelle Maschine mit dem neuesten Entwickungsstand als CD an den Kunden verschicken zu können, bietet einige Vorzüge. Letztendlich ist bei der Virtualisierung hauptsächlich die menschliche Fantasie die größte zu nehmende Hürde.




















